Der Druck auf die Regierung, den Paragraphen 218 zu verschärfen, ist groß. Abgeordnete bekommen ihn von ihrer katholischen Basis zu spüren, in Ministerohren tönt der Bonner Lobbyistenchor, aus den eigenen Reihen drängt eine radikale Minderheit, lauter Männer, auf Streichung der Krankenkassenfinanzierung bei Abtreibung in einer schweren Notlage.

Doch die CDU ist im Koalitionswort bei den Liberalen: Am 218 darf nichts verändert werden. So behilft sie sich mit Trostpflastern für die Dogmatiker des Gebärzwangs, verspricht, die gesetzlich vorgeschriebene Beratung im Schwangerschaftskonflikt langwieriger und hürdenreicher zu gestalten: Die Frau soll das Kind um jeden Preis austragen. Die Bundesstiftung „Mutter und Kind“, „zum Schutz des ungeborenen Lebens“ kreiert, verspricht den Schwangeren maximal 5000 Mark. Ein Almosen in vielen Fällen, eine fragwürdige Gebärprämie obendrein.

Den Katholikentag nutzte Familienminister Heiner Geißler zu verbalen Kraftakten. Verfassungswidrig, unmenschlich seien die Folgen der sozial-liberalen Reform. Pauschal diffamierte er PRO FAMILIA und forderte die finanzielle Austrocknung einer Organisation, die ihre schwierige Beratungsarbeit undogmatisch und einfühlsam, in Geißlers Augen aber gesetzwidrig, leistet. Dahinter steckt die Strategie, den 218 auszuhöhlen: Der Buchstabe bleibt erhalten, aber im gelebten Alltag wird die liberale Absicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Und die Liberalen halten still. mg