In Beirut ziehen die tödlich verfeindeten Freischärler aus der Stadt ab. Sie machen regulären Soldaten Platz. Die Front zwischen Christen und Muslimen verschiebt sich nicht, aber auf beiden Seiten tragen die Bewaffneten jetzt dieselbe Uniform, sind demselben Oberkommando verpflichtet und demselben Ziel, dem Ende des neunjährigen Bürgerkrieges. Staatliche Autorität statt Milizen auf einem Prozent des libanesischen Staatsgebietes: Geht das blutige Gemetzel damit zu Ende?

Viel spricht dagegen. Die Milizen haben ihre Führer, nicht abgegeben, nur ausgelagert. Ihre Führer, die in einem Kabinett der nationalen Versöhnung zusammensitzen, brauchten selbst unter dem Druck der Vormacht Syrien ein Vierteljahr, den ersten der vielen Punkte ihres Friedensabkommens zu verwirklichen. Syrien, das von inneren Problemen belastet wird, wird es nicht leichter haben als Palästinenser, Israelis und Amerikaner, die alle bei dem Versuch gescheitert sind, den zerstrittenen Libanon auf ihre Weise zu befrieden.

Ein Fortschritt mag es aber schon sein, wenn die Großstadt Beirut vom Zentrum an die Peripherie der Wirren rückt. Ein Minimum friedlicher Ordnung sollte verhindern, daß im Libanon fremde Soldaten fallen und fremde Mächte aneinandergeraten. Wenn es um Beirut ruhig wird, werden Washington und Damaskus, Amman und Jerusalem wieder darangehen können, endlich eine Lösung für die wirklichen Probleme der Krisenregion zu finden. HJG