Im Arbeitskampf hat sich die Sozialpartnerschaft bei BMW bewährt

Tiefen Respekt“ bezeugte BMW-Chef Eberhard von Kuenheim in der Hauptversammlung der Bayerischen Motoren Werke in München dem Gesamtbetriebsrat und vor allem dem Vorsitzenden, Kurt Golda, für sein verantwortungsvolles Handeln in den schwierigen Streikwochen: „Wir haben stets Ihre Klarheit und Ihren Weitblick bewundert. Wir haben Grund, Ihnen zu danken.“

„Herr Golda, ich möchte Ihnen gerne die Hand schütteln“, schwärmte der Kleinaktionär Werner Schröder, der „den Mut des Betriebsratsvorsitzenden und IG-Metall-Mitglieds“ auch seiner Gewerkschaft gegenüber lobte, „bitte tun Sie mir die Ehre an.“

Schelte gab es dagegen für das Aufsichtsratsmitglied Norbert Fischer, im Hauptberuf Schatzmeister der IG Metall, dem ein anderer Aktionär vorwarf, er habe sich durch eine „scharfe und undisziplinierte Rede“ im Juni in München für sein Amt als Aufsichtsrat „selbst disqualifiziert“. Fischer setzte sich scharf zur Wehr: Er könne es mit seinem Gewissen vereinbaren, IG-Metaller und Aufsichtsratsmitglied zu sein. Schließlich habe die Gewerkschaft zusammen mit dem Betriebsrat und dem Großaktionär Herbert Quandt das Unternehmen wieder aufgebaut.

Das Lob für Golda und die harte Kritik an der IG Metall („Durfte dies alles in der Verantwortung einer kleinen Gruppe von Personen liegen?“ fragte Kuenheim spitz) spiegeln das „besondere Verhältnis“ wider, das bei BMW zwischen Management und Betriebsrat auf der einen und Betriebsrat und Gewerkschaft auf der anderen Seite besteht. Die Fronten verlaufen hier anders als in der deutschen Automobilindustrie üblich.

Schon einige Wochen vor Streikbeginn hatte sich Golda in der Betriebsversammlung seines Unternehmens mit eigenen Vorstellungen zum Einstieg in die 35-Stunden-Woche zu Wort gemeldet und in banger Ahnung der drohenden Eskalation des Arbeitskampfes den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt als „politischen Schlichter“ vorgeschlagen. Damit erntete Golda bei manchen Funktionären nur Hohn und Spott

Der Sprecher der IG Metall, Jörg Barczynski, tönte aus Frankfurt forsch, das sei „nicht ernst zu nehmen“. Golda sei „nichts weiter als ein einfaches zahlendes Mitglied der IG Metall“, ein „Einzelgänger ohne Amt und Funktionen“ in der Gewerkschaft.