Montag ist „Schott-n-Nock’n“-Tag in Achenkirch. Und am Dienstag gibt’s „Erdäpfelblattl mit Kraut“. Denkwürdiges geschieht in dem schmucken Dorf am Achensee: Tiroler Gasthäuser servieren Tiroler Spezialitäten.

Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Aber mitnichten: „Essen Sie einmal exotisch!“ lockt der Achenkirchener Schlemmerprospekt. So sehr also sind die Tiroler Speisekarten schon dem Standard der seichten Küche angepaßt, daß selbst Einheimische das Bodenständig-Rustikale als wunderliche Rarität betrachten.

Immerhin, in diesem Jahr rührt sich was in den Kochtöpfen alpenrepublikanischer Gastronomen. Nicht nur die Köche von Achenkirch, sondern auch viele andere zwischen Bregenz und Neusiedl am See haben neuerdings dem faden Schnitzel-Einerlei abgeschworen, setzen den Beilagen-Trauerspielen fettgebadeter Pommes und in Mehlschwitzen ertränkter Gemüse-Bröcklein ein Ende.

Das Festland Österreich präsentiert sich nun auch als Land der kulinarischen Genüsse. „Gutes aus Küche und Keller“ heißt das Motto, und das Neue am Guten ist das Alte: Beuscherl und Sterz, Powidltascherln und Palatschinken zieren wieder die Menükarten.

Hochlöblich, dieser gastronomische Gesinnungswandel auf breiter Basis. Denn auf und ab im Alpenland ist’s im die regionale Küche bei weitem nicht so gut bestellt, wie die Österreich-Werbung es ans glauben machen möchte – sieht man einmal von den wenigen Traditionsbetrieben und Häusern der gehobenen Klasse ab, die seit jeher auch bäuerliche Gerichte servieren.

Toasts „Hawaii“ und Pfeffersteaks werden freilich wohl nie ganz von den Speisezetteln gestrichen werden. Lokale Spezialitäten haben es nämlich in sich: Sie sind ihrer einfachen Zutaten wegen meist preiswert und obendrein deftige Sattmacher. Ein üppiges Schnitzel indes wirft für den Wirt halt allemal noch mehr ab als ein ordinärer Kaiserschmarrn. iso