Hier wurde der freie, Wettbewerb zwar übereinstimmend gepriesen und von allen hoch gelobt, doch kein Staat verzichtet auf staatliche Interventionen“, so lautete das spöttische Fazit, das Sir Godfray Le Quesne, Chef der britischen Monopolkommission, am Ende einer zweitägigen Internationalen Kartellkonferenz in Berlin zog.

Das Bundeskartellamt hatte Unternehmer, Kartelljuristen sowie die Vertreter von Kartellbehörden der Mitgliedsländer der OECD sowie der Europäischen Gemeinschaft zum Meinungsaustausch geladen. Das Thema „Gemeinschaftsforschung und Wettbewerb“ war hochaktuell, denn vor allem die europäische Industrie, ohnehin mit nicht gerade kräftigem Wachstum gesegnet, hat in wichtigen Bereichen der Hochtechnologie den Anschluß an ihre wichtigsten Konkurrenten auf den Weltmärkten USA und Japan verpaßt.

Den künftigen Weg hatte schon im Frühjahr das Bundesministerium für Forschung und Technologie im Bundesforschungsbericht 1984 gewiesen: Verbundforschung lautet das neue Zauberwort, denn, so der Forschungsbericht, „die Grundlagenforschung in den Hochtechnologiebereichen erfordert zunehmend einen längeren gemeinsamen Weg mehrerer Unternehmen im Verbund auch mit der Wissenschaft“.

Im Verbund, so preist das Ministerium, das diese gemeinsame Forschung künftig kräftiger fördern will, können die vorhandenen Forschungs- und Entwicklungs-Kapazitäten effizienter eingesetzt, die bisherige Vielzahl von kleineren Einzelprojekten reduziert und ein reibunsloser Technologie-Transfer zwischen den Beteiligten geschaffen werden. Für Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber ist es entscheidend, „wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit im nationalen wie internationalen Rahmen zu unterstützen und zu fördern“.

Da wirkte der Auftritt von Rudolf Sprung, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, auf der Berliner Kartellkonferenz wie ein Kontrastprogramm. Beim Abwägen des Für und Wider, ob man der Industrie mit staatlichen Förderprogrammen beim Sprung in technisches Neuland helfen solle, komme er zu einer „grundsätzlich negativen Antwort“. So reduziert sich für das Wirtschaftsministerium die Rolle des Staates auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Und die sind, so räumte der Staatssekretär ein, „anscheinend nicht günstig genug“.

Freilich, Kartellbehörden oder gar Gesetze stehen einer kräftigeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmen auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung bislang nicht entgegen. Die Hemmnisse und Hürden, die die europäischen Unternehmen auf dem Weg zu gemeinsamer Forschung und Entwicklung zu überwinden haben, verdeutlichte Frans Andriessen, Kommissionsmitglied der Europäischen Gemeinschaft. Und darin spiegelt sich die ganze Misere EG-Europas wider. „Das Dickicht der unterschiedlichen Kontroll-Zulassungs- und Abnahmevorschriften sowie die nur langsam voranschreitende Harmonisierung der Normen und Standards“, so klagte der Kommissar, „erschweren den freien Warenverkehr und den Absatz von Massenprodukten.“ Die „nationalistisch orientierte Einkaufs- und Beschaffungspolitik der staatlichen Organisationen und Unternehmen“, allen voran die der Post- und Fernmeldeverwaltungen, kritisierte Andriessen ebenso wie die in den EG-Ländern unterschiedlich geregelten Subventionen.

Die Mitgliedsländer der Gemeinschaft, so zeigten die Diskussionen in Berlin, sind bisher vorrangig damit befaßt, über die Lösung der Strukturkrisen in vielen Branchen zu streiten. Von gemeinsamer Förderung neuer Technologien wird – jedenfalls auf Regierungsebene – bestenfalls geredet.