Sehenswert

„Der Mann, der zuviel wußte“ von Alfred Hitchcock, der jetzt erstmals nach fast dreißig Jahren wieder zu sehen ist. Die eher banale Geschichte einer amerikanischen Arztfamilie, die während des Urlaubs zufällig in einen Diplomatenmord verwickelt wird, weiß Hitchcock in einzelnen Szenen mit großer Meisterschaft zu inszenieren. Da gibt es das Problem der Schuldübertragung in der berühmten Szene mit dem Beckenspieler. Der Zuschauer weiß sehr bald, daß der geplante Schuß auf den Diplomaten während eines Konzertes in der Albert Hall synchron mit einem Beckenschlag abgegeben werden soll. Ohne es zu ahnen, macht sich der Beckenspieler schuldig. Eine kurze Einstellung zeigt den Ort des Geschehens aus seinem Blickwinkel durch die beiden Becken hindurch. Auch das Ehepaar, das von dem Mord, aber nicht von den Umständen weiß, macht sich schuldig. Indem die Kamera der entscheidenden Note entgegen die Partitur entlangfährt, scheint das Unglück unabwendbar. Durch einen überraschenden Schrei kann Doris Day dann doch die Tat verhindern und den wirklich Schuldigen entlarven. Alles ist eine Frage der Perspektive, auf deren Wechsel Spannung und Witz des Films beruhen. Bevor James Stewart Doris Day von der Entführung ihres Sohnes erzählt, verordnet er ihr eine Beruhigungstablette. Das scheint absurd. Doch als sie nach einem kurzen Hysterieanfall friedlich einschläft, sehen wir ein, wie schlau das war. Wie die Pillen, die Hitchcock uns verabreicht.

Krischan Koch

Tragikomisch

„Hunderennen“ von Bernard Safarik. „Zu Hause durften wir nicht singen, und hier hört uns keiner zu“: Für den Musiker aus der Tschechoslowakei wurde im goldenen Westen kein Traum wahr. Und auch der Kunstmaler Alexander Rek (Josef Charvat) – ein Melancholiker mit traurigen Augen und Vollbart – schlägt sich mehr schlecht als recht durch das Leben und die Schweizer Gesellschaft. Künstler haben’s eben schwer, hüben wie drüben. Nicht jeder kann sich mit dem sozialistischen Realismus anfreunden, aber mit dem biederen Kunstsinn eines Hunde- oder gar Karnevalvereins eben auch nicht. Der aus der Tschechoslowakei stammende und seit 1967 in der Schweiz lebende Regisseur Bernard Safarik, der bisher Kurz- und Dokumentarfilme für das Fernsehen drehte, hat dieses Leben im Exil inszeniert. Daneben erzählt er von dem Lebenskünstler Ladislaw Lapak (Pavel Landovsky), der, schon in der Heimat ein cleverer Zeitgenosse, in der Schweiz unter dem Motto „Kommerz mit Herz“ den Party Service „Drink and Drive“ aufzieht. Er animiert die Gäste zu fröhlichem Zechen und fährt sie dann, für teures Geld versteht sich, heim. Er hat sich eingerichtet in der Schweiz, ein offenherzig-großmütiger Opportunist. Safarik spottet zwar über Unzulänglichkeiten und so manchen Widersinn in beiden Gesellchaftssystemen, aber nie bösartig. Ein Film für Freunde des milden Humors.

Anne Frederiksen

Empfehlenswerte Filme

„Der Wanderkrebs“, „Rita Ritter“ von Herbert Achternbusch. „Ich Du Er Sie“ von Chantal Akerman. „Das Geld“ von Robert Bresson. „Friedliche Tage“ von Richard Blank. „Frevel“ von Peter Fleischmann. „Dies rigorose Leben“ von Vadim Glowna. „Der Kontrakt des Zeichnen“ von Peter Greenaway. „Das Fenster zum Hof“ von Alfred Hitchcock. „Das Leben ist ein Roman“ von Alain Resnais. „Abwärts“ von Carl Schenkel. „Der Schlaf der Vernunft“ von Ula Stöckl. „Auf Liebe und Tod“ von François Truffaut. „Super“ von Adolf Winkelmann.