Von Heinz Michaels

Am Schluß standen wie immer versöhnliche Worte, doch zu einem Händedruck mußten die beiden Kontrahenten Manfred Beltz Rübelmann und Erwin Ferlemann, die Verhandlungsführer der Arbeitgeber und der IG Druck, erst ermuntert werden. „Ist nach dreizehn Wochen Streik noch ein Händedruck drin?“ hatte einer der Pressephotographen gerufen, als die beiden sich schon trennen wollten. Unter dem üblichen Blitzlichtgewitter vollzogen sie auch noch diese Pflichtübung.

Es war 1.01 Uhr am Freitag in der dreizehnten Streikwoche, als die Türen zum Verhandlungszimmer aufgingen: In der dreißigsten Gesprächsrunde war der Durchbruch erreicht. Erschöpft sprach man von einem „guten Gefühl“, das die Beteiligten nun erfülle, von einem Kompromiß, mit dem „beide Seiten leben können“, von einer „druckspezifischen Lösung“ und mit Stolz davon, daß man es „allein geschafft“ habe ohne Vermittler und ohne Schlichter.

Den Gewerkschaftsführer Ferlemann ergriffen dann scheinbar Reminiszenzen an seine Jugend: „Es ist wie in der Schule. Wenn man abschreibt, schreibt man leicht das Falsche ab. Es ist besser, den Aufsatz selbst zu konzipieren.“ Doch die Sätze hatten einen realen Hintergrund: Als die Verhandlungen am Montag vergangener Woche begannen, lag ein Angebot der Artbeitgeber auf dem Verhandlungstisch, das Wort für Wort dem Schlichtungsspruch Georg Lebers für die Beendigung des Streiks in der Metallindustrie dich.

Der Verleger und Drucker Beltz Rübelmann war dagegen in Gedanken wohl schon wieder in seinem Betrieb in Weinheim an der-Bergstraße: „Ich hoffe, daß der Tariffrieden schnell einkehrt und daß in den Betrieben die Zusammenarbeit wieder einsetzt.“ Es ist sein Lieblingsthema: Nur eine gute Kooperation in den Betrieben und Zusammenarbeit der Tarifpartner schafft die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg.

Der nächste Morgen brachte eine Überraschung. Es werde „eine ganze Menge Arbeit notwendig sein“, hatte Ferlemann noch in der Nacht gesagt, die Tarifkommission für die Annahme des Kompromisses zu gewinnen. Doch obwohl die Lohnerhöhung für die nächsten zwei Jahre mager ausfällt, obwohl Enttäuschung über die Arbeitszeitregelung herrschte, und obwohl die Ausdehnung der Mitbestimmung für einen besseren Rationalisierungsschutz unter den Tisch gefallen war, gab es nur zwei Gegenstimmen von den 48 Delegierten.

Detlef Hensche, der Gewerkschafts-Vize, hatte den Delegierten noch Korsettstangen verpaßt: „Das ist keine Kapitulation. Wir haben das Ergebnis nicht der Güte der Unternehmer zu verdanken, sondern unserer Ausdauer im Arbeitskampf.“ Großer Beifall. In aufgeräumter Stimmung machten sich die Drucker auf den Heimweg.