Früher, da kämpften die Weiberräte und Couragierten sich nachts durch die Straßen der städtischen Vergnügungsviertel, tags mühsam durch die Institutionen. Klammheimlich eroberten sie die – sozialisationsmäßig gesehen – wichtige Bastion der Schulen. Heute ist die Feminisierung da: Nur noch Hausmeister und Rektor verteidigen mancherorts mannhaft an Grund- und Sonderschulen ihr Terrain gegen Alicens Schwestern. Für den Frauenkampf bringt diese Tatsache allerdings ungefähr so viel wie Dagmar Berghoff für die Tagesschau.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung, die 1982 einen Frauenbericht anfertigen ließ und sich darin ganz vehement für die Emanzipation ins Geschirr legte, belegt in ihrer Studie mit 33 Zeilen, daß die Emanzen auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Mit der „Feminisierung der Schulen“ nämlich sei ein „heimlicher Lehrplan“ in den Unterricht eingezogen. Der bestärke die Jungs in „wirklichkeitsbezogenen Berufs- und Lebensplänen“ und lasse die Mädels eine „berufsorientierte Lebensplanung nur eingeschränkt erfahren“. Die Beziehungen der Lehrerinnen zu der Schülerschar verhindere die auf Gleichberechtigung angelegten Ziele der Landesregierung. Auch achteten Schülerinnen schon immer mehr auf das Outfit des Lehrpersonals als auf den Unterrichtsstoff. Wer aber den Pythagoras verpaßt, weil die Laufmaschen der Lehrerin Erschütterungen auslösen, kann in der harten Männerbusineßwelt keinen Blumentopf gewinnen. Lehrerinnen im Dienst – Emanzipation ade?

Tröstlich, daß „Spielhölle und Himmel der Soziologie Kammern für viele Spieler bieten“, wie der Sozialwissenschaftler Peter L. Berger einst anmerkte. Und so ergab denn auch eine Umfrage der Realschullehrerin Hildegard Wiethüchter eine ganz andere Folge des weiblichen Wirkens. Zwei Jahre nach Fertigstellung der Frauen-Studie (die hektische Eile steht als weiteres Indiz für den Stellenwert, den die Rau-Regierung der Frauenfrage einräumt) durften, Betroffene kürzlich diskutieren. Frau Wiethüchter erklärte bei dieser Gelegenheit, daß Lehrerinnen pädagogisch engagierter und verständnisvoller als die männlichen Kollegen handelten. Auch fanden ihre Schüler, daß Frauen vielfältiger begabt seien. Schließlich zeigten diese sich in allen Fächern firm, während Männer sich um die Fächer Textilgestaltung und Hauswirtschaft herumdrückten.

Was die Landesregierung in Düsseldorf tun will, um das Männer-Manko zu kompensieren, steht noch nicht fest. Um endgültig Licht in das Dunkel um die Feminisierung und ihre Folgen zu bringen, ist einstweilen ein Schul-Männer-Report anzuraten. Dörte Schubert