„Geo“ will Darwins Weltbild zerstören. Doch das Magazin gefährdet nur den eigenen Ruf

Der gute Ruf einer Zeitschrift ist die Summe vieler guter Beiträge. Kann das Image über Generationen hinweg bewahrt werden, entwickelt sich das Blatt zur Institution, so wie etwa das National Geographie Magazine.

Als Geo, nach dem großen amerikanischen Vorbild modelliert, vor fast acht Jahren erschien, hatten wir eine große Hoffnung und eine leise Befürchtung: die Hoffnung auf ein deutsches National Geographie, aber auch die Befürchtung, vielleicht nur, einen monatlichen stern zu bekommen (der stern hatte Geo hervorgebracht).

Nun scheint doch eher die Befürchtung einzutreffen. Die Geschichte mit den angeblich ersten Photos freilebender Panda-Bären in China war vor Jahren vielleicht nur eine peinliche Panne. Welcher Teufel reitet aber die Redaktion des grünen Blattes von Gruner + Jahr in der jüngsten Ausgabe? Laut Anzeigen enthält Geo eine Story mit dem Titel „Darwinismus: Der Irrtum des Jahrhunderts“.

Nichts gegen das Thema Evolutionstheorie: Die Diskussion darüber ist derzeit in der Tat sehr aufregend. Aber ein nüchterner Bericht über das zentrale Thema aller Wissenschaften vom Leben war den Blattmachern offensichtlich zu dröge: Wenn schon, dann muß Darwin widerlegt werden.

„Noch nie hat Geo einem Beitrag so viele Zeilen gewidmet“, schreibt der geschäftsführende Chefredakteur Peter Ebel in einem „Editorial“. Eine „zweite kopernikanische Wende“ sei eingeleitet, Zeit also, „Denkmäler zu demontieren“. Wie gut, daß Geo-Reporter Uwe George, Geologe und Wüstenforscher, selbst mit einem nach ihm benannten Fossil beweisen kann, daß „ein wichtiger Teil“ von Darwins „berühmter Theorie nicht stimmen kann“. Damit, zitiert Ebel seinen Reporter, „geht ein Weltbild kaputt“!

Über drei Dutzend Heftseiten hinweg erzählt George erst einmal Darwins Leben nach – und „den Rest hat er nicht verstanden“, wie der Konstanzer Biologe Professor Hubert Markl nach der Lektüre des „Jahrhundertirrtums“ kopfschüttelnd kommentierte. Denn George baut einen Pappkameraden auf, den er dann mit starken Worten zerfetzt: Er unterstellt Darwin, die Entwicklung des Lebens einzig in „langsamen, kontinuierlichen Abstufungen“ beschrieben zu haben, und erklärt dann dieses „gradualistische Prinzip“ zu einem von Darwins „Hauptpfeilern“; außerdem erhebt Geo Darwins Evolutionstheorie unerlaubterweise in den Rang eines alles erklärenden „Evangeliums der Biologen“.