Korrespondenten der New York Times in vielen Ländern der Welt haben ausgeschrieben, wie es Fremden mit Kindern dort ergeht. Sie geben ihren Lesern Tips, wohin sie als Touristen mit ihren Sprößlingen zu deren Unterhaltung gehen können.

In London empfiehlt sich ein Besuch im Zoo, in Moskau der Gang ins Puppentheater. In China, so erfahren wir, kann man immerhin prächtiges Kriegsspielzeug erwerben, wenn auch keine Wegwerfwindeln. Toll für Kinder sind Griechenland und Spanien. Probleme entstehen in Moskau, schon allein, weil es dort keinen McDonald’s gibt. Dabei sind die Russen im Grunde kinderlieb. Ganz anders als wir Deutschen. Für New York Times-Korrespondent James M. Markberg zählt die Bundesrepublik zu jenen Ländern, die eine amerikanische Familie auf Reisen besser meidet: ‚Wenn Sie mit Ihren Kindern eine schöne Zeit in diesem Teil der Welt erleben wollen, nehmen Sie sie mit nach Holland. Dort lieben sie Kinder.“

Nicht daß es in Deutschland keine Attraktionen gäbe: Da wäre immerhin die Fußball-Bundesliga – die aber dummerweise ausgerechnet im Sommer pausiert. Doch in dieser Jahreszeit, schreibt Markham, entschädigt die Kleinen eine Bootsfahrt auf dem Rhein oder ein Museumsbesuch: „Das Deutsche Museum in München ist ein Smithsonian im Kleinformat.“

Auch seien die Parks schön und zahlreich hierzulande; das wär’ schon was: „Doch die Rasenflächen sind für Hunde gedacht und nicht für Kinder.“

Außer in den ihnen zugewiesenen Reservaten, so sieht es der Autor, sind Kinder in Deutschland im Grunde allerorten unerwünscht. Und nur ein langes deutsches Hauptwort scheint ihm „schrecklich“ genug, dieses Verhalten treffend zu benennen Kinderfeindlichkeit.

„Wenn meine Kinder mit dem Bus zur Schule fahren, treffen sie regelmäßig auf ältere Deutsche, die sie herumstoßen, quetschen und ihnen den Sitzplatz streitig machen; lachen die Kinder oder werden sie beim Scherzen laut, werden sie mit barschen Drohungen zur Ordnung gerufen – jedenfalls wird der Versuch unternommen.“

Zwar klebten sich die Deutschen gerne Aufkleber an ihre Autos, die behaupten, der Fahrer besitze „Ein Herz für Kinder“, aber „ihre aggressive Fahrweise führt zu fürchterlichen Unfällen mit Kindern im Straßenverkehr“.

An Kreuzungen und Übergängen mit Ampeln sollten sich Touristen daher besser deutschen Gewohnheiten anpassen, rät Markham: stehenbleiben, warten, sich nach den Signalen richten. Aber auch nur dort, denn: „Die einzige Möglichkeit für einen Touristen, mit der allgegenwärtigen Kinderfeindlichkeit klarzukommen, besteht darin, die Einheimischen einfach zu ignorieren. Wenn ältere Menschen mittels böser Blicke versuchen, Ihre Kinder zu bändigen, blicken Sie genauso böse zurück!“ Uwe Knüpfer