München

Eigentlich sollten im Erdinger Moos längst die Jumbos landen und starten, sollte der Großflughafen „München II“ längst den Flughafen Riem abgelöst haben.

Doch seit über drei Jahren stehen auf dem Baugelände 30 Kilometer nördlich von München, zwischen den Kreisstädten Freising und Erding, alle Räder still. Blaukehlchen, Großer Brachvogel und Sumpfohreule können wieder relativ ungestört nisten.

Das könnte sich schon bald ändern, wenn der Bayerische Verwaltungsgerichtshof den Baustopp aufhebt, den er im April 1981 verhängt hatte. Die Flughafen München GmbH jedenfalls, die Riem betreibt und „München II“ will, ist frohen Mutes: Sie hat ihre 1981 abgeschmetterte Planung inzwischen korrigiert und sie dem Verwaltungsgerichtshof erneut vorgelegt. Außerdem hat das Bundesverwaltungsgericht in Berlin herbe Kritik am Baustopp-Urteil von 1981 geübt.

Erste Pläne, den Flughafen München-Riem durch einen größeren, weniger stadtnah gelegenen zu ersetzen, gab es schon Mitte der fünfziger Jahre. Aber erst 1969 fiel die endgültige Entscheidung für den Standort Erdinger Moos, nachdem die Anlieger anderer, wirtschaftlich und verkehrstechnisch weit sinnvollerer Standorte sich erfolgreich – nach dem Sankt-Florians-Prinzip – zur Wehr gesetzt hatten. Der Widerstand weniger Bauern im Erdinger Moos war dagegen armselig gewesen, hatte nach Blut und Boden gerochen und nach eigener Scholle. Daß es galt, den Lebensraum gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, war in der Wachstumseuphorie der sechziger Jahre ohnehin kein schlagkräftiges Argument gewesen.

Im Jahr 1974 folgte der „luftrechtliche Genehmigungsbescheid“, 1978 erging der Planfeststellungsbeschluß, aber erst 1980 begann nach einem Prozeß, den die Flughafengegner immer noch als „Farce“ bezeichnen (von 5693 Klägern waren nur 38 als „Musterkläger“ zum Prozeß zugelassen worden), der Bau des Flughafens. Doch nur für ein halbes Jahr: Da sorgte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof für die vorläufige Unterbrechung. Zwei Gründe vor allem waren es, die zu dem damals sensationellen Baustopp geführt hatten: Einmal war der bayerische Wirtschaftsminister Anton Jaumann (genau wie sein Ministerialdirigent Jonann Ringelmann) gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Flughafengesellschaft und demnach Interessent und Entscheidungs(mit)träger in einer Person. Zum anderen bezweifelten die Verknapper“ werde, einen Flughafen von der Ausdehnung des größten Flughafens der Welt (Chicago-O’Hare) zu bauen. Allein die beiden 4000 Meter langen Hauptstartbahnen sollten ursprünglich einen Achsabstand von 2300 Metern haben.

Und überdies, so die Richter, seien die Prognosen über den Bedarf der kommenden Jahrzehnte wohl doch „nicht hinreichend zuverlässig“. Eine Entscheidung, die den Verwaltungsrichtern einen Vorwurf einbrachte, mit dem bayerische Politiker schnell zur Hand sind: Da mischten sich Richter in etwas ein, was eigentlich Sache der Politiker sei.