Fast einmütig wählte der Weltkirchenrat in Genf den 57jährigen Methodistenpfarrer Emilio Castro aus Uruguay zum neuen Generalsekretär. Er löst 1985 Philip Potter ab, den ersten schwarzen Generalsekretär dieser Gemeinschaft von 301 protestantischen, orthodoxen und altkatholischen Kirchen mit 400 Millionen Mitgliedern.

Der Zentralausschuß des Ökumenischen Rates der Kirchen entschied sich für einen gebürtigen Katholiken, der im Alter von 14 Jahren Methodist wurde. Castro spricht vier Sprachen, darunter Deutsch, und hat viele Freunde in der Evangelischen Kirche Deutschlands, die sich für seine Wahl einsetzte. Zehn Jahre lang leitete er die Kommission für Weltmission und Evangelisation des Weltkirchenrates.

Der Rat wurde 1948 von etwa der Hälfte der heutigen Mitgliedskirchen, vor allem von Europäern und Nordamerikanern, ins Leben gerufen. Erster Generalsekretär war der heutige Ehrenpräsident Visser’t Hooft aus Holland. Während der Amtszeit des in Westindien geborenen Philip Potter gewannen die Kirchen der Dritten Welt an Einfluß.

Von Anfang an betrachtete der Weltkirchenrat die Menschenrechte als Eckpfeiler seines Engagements. Konservative Christen bemängelten häufig, der Weltkirchenrat sei eine „kirchliche UNO“ geworden, treibe zu wenig Theologie und zuviel einäugige linke Politik. In den Ratserklärungen wird die Sowjetunion fast nie, die amerikanische Politik häufig und barsch getadelt. Eine deutlichere Sprache gegenüber Moskau, so heißt es aus dem Weltkirchenrat, würde die russisch-orthodoxe Kirche zum Austritt zwingen. Wichtige theologische Dialöge werden heute oft am Weltkirchenrat vorbei geführt.

Der neue Generalsekretär Castro konnte seit elf Jahren sein Heimatland Uruguay nicht besuchen, das er nach Morddrohungen und polizeilichen Durchsuchungen verlassen mußte. Nach seiner Wahl äußerte er sich gegen revolutionäre Gewalt in Lateinamerika, lehnte es aber ab, die „Brüder und Schwestern zu verurteilen, die aus Verzweiflung zur Gewalt greifen, obwohl ich glaube, daß sie irren“.

Ekkehard Klausa