Alles spielt in Salzburg eine Rolle, nur nicht das Geld – oder doch?

Von Erwin Brunner

Hugo von Hofmannsthal, der Vater der Salzburger Festspiele, träumte es immer schon so: die ganze liebliche Barockstadt an der Salzach ein einziges Theater, ein szenisches Gesamtkunstwerk. Als „die ideale Kulisse für Aktivitäten aller Art“ pries am vergangenen 23. Juni auch die Wiener Presse dem „kulturell interessierten Gast“ den Sommer in Salzburg an.

Was just an diesem Schnürlregen-Samstag durch die Stadt tobte, stand freilich in keinem Festspiel-Kalender. Gegeben wurde ein Stück Salzburger Kultur-Odyssee. Im Chiemseehof, dem Sitz der Landesregierung, verabschieden 300 bunte Hofnarren ihren Landeshauptmann Wilfried Haslauer: „Hasi ade, scheiden tut so weh“. Am ehrwürdigen Kapitelplatz fleht ein „Bischof“ den Segen Gleichgesinnter herbei: „Ihr Jugendlichen von Zürich, Ihr Hausbesetzer von Berlin, Ihr Schwulen von San Francisco“ – „bittet für uns“, antwortet brav der Versammelten-Chor.

Dann rennen die Spieler – im Laufschritt dabei: die Polizei – in die Hofstallgasse, Salzburgs heiligen Festspielbezirk. Dort fährt ein Mercedes 190 mit Festspielbesuchern vor. Farbbeutel, Eier, Tomaten. Im Handgemenge fliegen die Fetzen. Hüllenlos kann sich einer der Mercedes-Gäste gerace noch auf das geschlossene Gittertor, des Festspielhauses retten. „Laßt’s mich rein“, brüllt er, „ich bin einer von euch!“. Vorhang, Festnahme, Skandal: Nackte Frechheit – und das in Salzburg, dem Hort des wohlanständigsten, gediegensten Kultursinns.

Alles nur Theater? Oder doch verzweifelt-lustiger Sturmlauf gegen den alles dominierenden Popanz Festspiele, dem Salzburg in gierigem Götzendienst verfallen scheint? Wut der Zukurzgekommenen auf eine Institution, in der sich die Hohenpriester der Privilegiertenkultur im Namen des Außergewöhnlichen mit Hilfe des steuerzahlenden Jedermann eine goldene Nase verdienen?

Das kecke Fest-Vorspiel der jungen Salzburger Theatertruppe „Mitzi’s Brötzner“ und der „Arbeitsgemeinschaft Kulturgelände Rainberg“ beleuchtet, grell die Kehrseite des üppigsten and lukrativsten Großfestivals der Welt. Für die Festspiele, so zürnen die Aktivisten der Alternativszene, werden bedenkenlos Subventionen lockergemacht; ihnen bleiben, wenn überhaupt, „nur kleine Brösel“. Wohl wahr: Als vergangenes Jahr das Kulturbudget des Landes Salzburg um zehn Prozent gekürzt wurde, blieben die Forderungen der „Basiskultur“ vollends auf der Strecke.