Im Englischen ist „a bouncing cheque“ ein ungedeckter Scheck. „The bouncing Czech“ dagegen, genauso ausgesprochen, ist Robert Maxwell, der „tschechische Stehauf-Mann“, neuer Boß des Daily Minor des Londoner Massenblattes, geboren als Jan Ludvik Hoch in den Karpaten.

Für 113 Millionen Pfund (knapp 400 Millionen Mark) kaufte der Verleger den Mirror-Konzern Journalisten und Gewerkschaften hatten schon vorher die Hoffnung auf ein Wunder aufgegeben. Denn man arbeitet nicht gern für Maxwell. Der 61jährige bullige Mann hat eine Karriere hinter sich, die es niemandem angeraten sein läßt, sich ihm zu widersetzen. Der vor den Nazi-Besatzern nach England geflohene Jan Hoch änderte den Namen und fälschte sein Geburtsdatum, um alt genug für den Kriegsdienst gegen Hitler zu sein. Die Briten brauchten das nicht zu beklagen. Montgomery selbst heftete dem Hauptmann Maxwell einen Tapferkeitsorden an, weil er seine Truppe bei Arnheim statt von hinten von vorn durch den Kugelhagel geführt hatte. Als Besatzungsoffizier in Deutschland kaufte Maxwell vom Verlag Springer (Ferdinand, nicht Axel) das Copyright wissenschaftlicher Publikationen; sein eigener Verlag, Pergamon Press, lief 1949 an. Wenig später war Maxwell Millionär. Er trat der Labour Party bei, war einige Jahre Abgeordneter und sammelte Freunde und Feinde am Weg, so viele er nur konnte. 1970 schien er plötzlich erledigt: Eine Art Rechnungshof bezeichnete ihn als einen Mann, der „nicht geeignet sei, eine Aktiengesellschaft zu leiten“. Das genügte den Bowlerhüten in der City. Zusammen mit der immer eilfertig fremdenfeindlichen Presse bliesen sie das Halali gegen den Eindringling. Zu früh. Binnen drei Jahren gehörte ihm Pergamon Press von neuem, diesmal als Privatbetrieb.

Vielleicht ist es gar nicht der labour-freundliche Mirror, den Maxwell wirklich wollte. Zum Konzern gehört auch Sporting Life, jenes Blatt, das die Rennpferdbesitzerin im Buckingham Palast jeden Morgen als erste Zeitung liest. Dadurch ließe sich am Ende mit den richtigen Leitartikeln ein Lord-Titel für den Emporkömmling anvisieren.

Karl-Heinz Wocker (London)