Ein Hotel und ein Veranstaltungszentrum sind die ersten Bauten, an denen San Francisco eine neue Baupolitik erprobt.

In Amerika durch Superlative zu überzeugen, ist gar nicht so leicht. Die; Leute von San Francisco haben es sich da recht einfach gemacht. Ihre Stadt, so behaupten die Franciscaner bescheiden, sei die schönste überhaupt.

Für viele Einheimischesind die Zeiten dieses amerikanischen Traumes freilich längst vorbei. Der Ballungsraum an der San Francisco Bay ist mittlerweile total zersiedelt. Highways durchschneiden die ganze Region. Im Zentrum dominieren die uniformen Wolkenkratzer. „Aus einiger Entfernung“, so Robin James, der oberste Stadtplaner von San Francisco, „sehen alle unsere Gebäude gleich aus – die erschlagen einen ja richtig.“ Gegen diese sogenannte Manhattanisierung laufen die Planer der kalifornischen Metropole jetzt Sturm. Sie wollen keine neuen Wohn- und Arbeitssilos mehr dulden und im Zentrum 271 Bauwerke unter Denkmalschutz stellen. In den Straßen soll es fußgängerfreundlicher zugehen und die in den Himmel ragenden Hochhäuser sollen interessantere Fassaden und mehr als nur vier Ecken am Dach vorweisen.

Die Wünsche der Stadtväter beschränken sich jedoch nicht allein auf rigorose Forderungen. An der University of Berkeley, gleich vor den Toren der Weltstadt, ist ganz San Francisco als Modell aufgebaut. Durch das Periskop einer Video-Kamera, wie es auch Mediziner für Organ-Spiegelungen verwenden, können die Wissenschaftler in jede beliebige Ecke ihrer Miniaturstadt „hinabsteigen“. Das ermöglicht ihnen, aus dem Blickwinkel eines Fußgängers neue Bauprojekte zu studieren, bevor der erste Betonmischer aigefahren ist.

Kern der Versuchsanlage in Berkeley ist ein Sonnen-Simulator. Mit ihm rekonstruieren die Forscher im Labor den Sonnenstand zu jeder Tages- and Jahreszeit. So sehen sie, ob ein geplanter Wolkenkratzer an wichtigen Plätzen Sonne raubt, unfreundlichen Schatten spendet oder aber mit seinen Glasfassaden Licht in dunkle Ecken spiegelt. Mit dem Testverfahren soll den schöngefärbten Baumodellen von Architekten ein Ence bereitet werden. Sie versprechet in der Planung oft einen viel sanfteren Eindruck, als sie später in dir unterkühlten Realität aus Stahl, Eeton und Glas halten können.

Haupterschließungsgebiet in San Francisco soll in den nächsten Jahren die Region südlich der Market Street werden, bislang noch ein ziemlich heruntergekommenes Viertel mit alten Fabriken und halbverfallenen Häusern. Doch schon klagen finanzstarke Investoren über die „entwicklungshemmenden“ Vorschriften der Stadtplaner.

Zwei neue Projekte stehen bereits in dem Viertel. Beide sind kleiner als die neue Wachstumsgrenze von 183 Metern – das sind fast 50 Meter weniger als bisher geduldet: Das

George-Moscone-Veranstaltungszentrum fällt von außen fast gar nicht auf. Die größte freitragende Halle dieser Art in den USA liegt im wesentlichen unterirdisch. Auch das neue „nur“ 35 Stockwerke hohe „San Francisco Méridien“ entspricht schon eher dem geläuterten Stil der Stadtväter. Diese jüngste 700-Zimmer-Errungenschaft der zur Air France gehörenden Hotelkette war zudem das letzte große Hotelproiekt, das in den vergangenen zehn Jahren verwirklicht wurde. Reiner Klingholz