In der Nordsee tobte ein schwerer Sturm. Die MS „Europa“ lag prächtig, Kapitän Helmut Raasch und seine Crew pendelten die Brecher einigermaßen aus. Dennoch lag ein Drittel aller Passagiere mit grünen Gesichtern in den Kojen. Punkt 12 Uhr mittags kam die tigliche Standortmeldung über den Schiffslautsprecher. Längengrad, Breitengrad, Wetterlage: „...erwarten wir grobe See. Guten Appetit!“

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Plastikeimerchen, diese schöne Errungenschaft deutscher Tafelkultur, fehlen auch an Bord nicht zum Frühstück. Rätselhaft ist nur ihre Aufschrift: „Für Tischabfälle“. Als ob Vandalen an „Europas“ Tischen säßen.

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Die Weinkarte, reich bestückt, nach Landesgeschmack aber zu süßlich ausgerichtet, ist ein Lesegenuß. Ein bislang verkannter Poet übernahm die Charakterisierung der offerierten Weine. Kostproben: wuchtig und mollig jahrgangsbetonte Rasse – saftig, gefüllt – ausdrucksvoller Körper – pikanter Gaumen – gekennzeichnet von edler Tiefe – feiner Abgang.

Ein Exitus an Bord ist zwar nicht alltäglich, wird aber doch mit feiner Routine bewältigt. Als der alte Herr während des Mahls mitten im Restaurant friedlich verschied, trugen ihn zwei Seeleute mit seinem Stuhl hinaus. Die Witwe folgte ihnen selbstverständlich. Nach drei Schritten verharrte sie aber, drehte sich um und wies ihren Steward an: „Aber noch nicht abräumen!“