Sommersonderprogramm im III. (WDR, HR, NDR, RB, SFB): Amerikanische Gangsterfilme aus den vierziger und fünfziger Jahren; donnerstags um 20.15 Uhr.

Gangsterfilme sind gewalttätige Visionen aus einer anderen, fremden Welt. Sie handeln von verbotenen Wünschen, von komplizierten Plänen, grandiosen Unternehmungen. Und vom Scheitern am Ende. Sie handeln von Einbrüchen und Überfällen, von Betrug und Mord, von Idee und Tat, von Flucht und Tod. Die Geschehnisse sind extrem synthetisch. Und die Helden sind, wie Robert Warshow einst schrieb, in erster Linie Geschöpfe der Phantasie. Die Gangster sind das, „was wir sein wollen, und das, was wir zu werden fürchten“.

Insgesamt neun Filme umfaßt die kleine Retrospektive der dritten Fernsehprogramme; darunter mehrere Erstaufführungen aus dem Jahre 1950, wie „Ohne Skrupel“ von Joseph Pevney (16. 8.), und zwei Filme von Crane Wilbur, „Die Geschichte der Molly X“ (23. 8.), und „Ins Leben entlassen“ (30. 8.).

Von den vier Filmen, die in den nächsten drei Wochen zu sehen sind, zählen drei Filme zu den Meisterwerken des späteren film noir: „Rattennest“ von Robert Aldrich (25. 7.), „Gefährliche Leidenschaft“ von Joseph H. Lewis (2. 8.) und „GeheimagentT“ von Anthony Mann (9. 8.).

In „Rattennest“ (1955), einer Mickey Spillane-Adaption, schlittert ein kleiner Schnüffler zufällig in eine riesige Verschwörung. Er sieht nichts; er Degreift nichts; er setzt das Leben seiner Freunde aufs Spiel; aber er läßt nicht locker. Keine Demütigung, keine Entwürdigung hält ihn auf. So überlebt er, immerhin. Der Film zeigt, was der Held ist, in betont schäbigen Bildern. Das Licht ist flach; so wirkt es, als werde es überall vom Schwarz bedroht. Die Zukunft hat keine Chance, weil das Gegenwärtige ohne jede Kraft ist. Die resignative Atmosphäre wird verstärkt durch die verzögerten Schnitte, die viel Raum lassen, auch für scheinbar Nebensächliches.

„Der vierte Mann“ von Phil Karlson (Sendetermin: 26. 7.) erzählt von einem Unschuldigen, der sich auf die Suche nach den wirklich Schuldigen begibt. Ein Hitchcock-Thema. Allerdings interessieren Karlson weder Schuldgefühle noch Seelenqualen. Spannung entsteht hier durch die Fülle gegenläufiger Handlungen und durch die Faszination, die von den Nebenfiguren ausgeht: von Jack Elam, Lee Van Cleef, Neville Brand, der sicherlich verrücktesten Konstellation von Gangsterdarstellern der frühen fünfziger Jahre.

In „Gefährliche Leidenschaft“ (1949) geht es um psychotische Aktionen, die geprägt sind von Zwang, Waghalsigkeit und selbstzerstörerischen Impulsen. „Ein strenges Liebesgedicht“ nannte Gerard Legrand diesen Film.