Hamburg

Wenn Männer diskriminieren, ist das von besonderer Qualität: Sie bekommen stets dann den Druck der gesellschaftlichen Normen empfindlich zu spüren, wenn sie sich von den Höhen männlicher Privilegien freiwillig hinabbegeben in die Niederungen sogenannter weiblicher Lebensbereiche.

Wieviele erziehungswissenschaftliche Werke, Seminare und breit angelegte Kampagnen waren nötig, damit kleine Jungen mit Puppen spielen durften, konnten, ganz einfach in Ruhe gelassen wurden, wenn sie denn wollten, ohne daß darüber die männliche Gesellschaft entsetzt zusammenbrach und eine biologisch geschlechtliche „Fehlentwicklung“ witterte. Gleiches galt für häkelnde und strickende Jungen im Handarbeitsunterricht.

Noch heute wissen Hausmänner von einst – nicht viele haben überhaupt diesen Rollentausch riskieren wollen, die es taten, haben nicht lange ausgehalten – von dem Spott, der Verachtung und Isolation zu berichten, mit der sie in der Rolle der „Hausfrau“ von ihren Geschlechtsgenossen bestraft wurden.

Spätestens seit der ZDF-Sendung vom vergangenen Donnerstag „Es geht ums Leben – Paragraph 218: Wo bleiben die Männer?“ wissen wir um einige Fast-Väter man diskutierte in Ruhe im Kindergarten, denn die Kinder waren zu Hause bei den Müttern –, die seelisch leiden, weil ihre Frau oder Freundin die beginnende Schwangerschaft durch Abtreibung beendet hatte. Sie dagegen hätten sich gern der Pflicht gestellt, zuständig für den Nachwuchs zu sein und dafür die eigene berufliche Laufbahn verkürzt oder gar aufgegeben.

Allen diesen lobenswerten, zaghaften Gesinnungswandlungen hat nun der Europäische Gerichtshof ein vernichtendes Urteil entgegengesetzt: Väter haben keinen Anspruch auf bezahlten Mutterschaftsurlaub.

Ulrich Hofmann, Diplom-Volkswirt aus Hamburg, hatte im Juli 1979 gemeinsam mit seiner Freundin Gerda Blaschke, Lehrerin an einer Gesamtschule, ausgemacht, den vom Staat finanzierten Mutterschaftsurlaub – nach Ablauf der biologisch bedingten Schutzfrist vier Monate – als Vater in Anspruch zu nehmen.