Ohne eine gezielte staatliche Familienplanung wird es in den Ländern der Dritten Welt keine wirtschaftliche und soziale Entwicklung geben. Unbegrenztes Bevölkerungswachstum schreibt die Armut und das Elend in den Entwicklungsländern fest. Dies ist die zentrale Aussage des 7. Entwicklungsberichts der Weltbank.

Nach den Berechnungen der Weltbank wird sich die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln: von heute 4,8 Milliarden auf 9,8 Milliarden Menschen. Erst Mitte des 22. Jahrhunderts wird sich die Weltbevölkerung bei elf bis zwölf Milliarden Menschen stabilisieren. „Diese Projektionen“, formulieren die Autoren des Berichts vorsichtig, „sollten nicht als Voraussagen verstanden werden, sondern als Illustrationen, was geschehen kann, wenn man vernünftige Annahmen zugrunde legt.“

Schon jetzt leben mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung in den Entwicklungsländern. Das demographische Ungleichgewicht wird sich noch weiter verschärfen. Denn während die Bevölkerung in den Industriestaaten nach den Annahmen der Weltbank bis zum Jahr 2050 lediglich von heute 1,2 Milliarden auf l,4 Milliarden zunehmen wird, wächst sie in den Entwicklungsländern von gegenwärtig 3,6 Milliarden auf 8,4 Milliarden Menschen. Vom Zuwachs der Weltbevölkerung im Jahr 1984, den die Weltbank auf 80 Millionen Menschen berechnet, entfallen 70 Millionen auf die Dritte Welt.

Und obwohl sich die Bevölkerungs-Zuwachsrate in den Entwicklungsländern etwas verlangsamt hat – von 2,4 Prozent 1965 auf heute rund zwei Prozent –, warnt die Weltbank vor voreiligem Optimismus. Denn die absoluten Zahlen steigen weiter dramatisch an, besonders in den Ländern Südasiens und Schwarzafrikas, Indien wird nach den Prognosen des Entwicklungsberichts mit 1,5 Milliarden Menschen im Jahr 2050 die volkreichste Nation der Erde sein. Eine Explosion der Bevölkerungszahl ist auch in so armen Ländern wie Bangladesch, Kenia, Nigeria, Äthiopien und Zaire zu erwarten. Als eindrucksvollstes Beispiel für eine erfolgreiche Bevölkerungspolitik nennt der Bericht die Volksrepublik China, mit 1,008 Milliarden Menschen heute noch das Land mit men versucht sie, die Ein-Kind-Faden meisten Einwohnern. Seit 1971 milie durchzusetzen und so das hat die chinesische Führung der selbstgesteckte Ziel zu erreichen, Geburtenkontrolle höchste Priorität die Bevölkerung nicht über 1,2 eingeräumt. Mit rigorosen Maßnah- Milliarden Menschen wachsen zu lassen. Nach dem Jahr 2000 soll die Bevölkerungszahl in China stabil bleiben.

Inzwischen gibt es bereits in 85 Entwicklungsländern staatlich geförderte Familienprogramme. Diese erreichen jedoch die ländliche Bevölkerung häufig nicht. Und gerade in vielen Staaten Afrikas, in denen die Einkommen am niedrigsten und das Bevölkerungswachstum am höchsten sind, fehlt bisher jede staatliche Geburtenpolitik. Die Weltbank fordert von den Industriestaaten, mehr Geld für Programme zur Familienpolitik bereitzustellen – nicht ohne zu betonen, daß tief verwurzelte kulturelle Wertmaßstäbe bei einer so empfindlichen Frage wie der Geburtenkontrolle besondere Sensibilität verlangen. Die Weltbank selbst will ihre finanzielle Unterstützung staatlicher Familienpolitik in Afrika und Südasien verdoppeln. M. N.