ZEIT: Der Ruf nach der Privatisierung von Staatsunternehmen wird in Ihrer Partei immer lauter. Andererseits heißt es, Privatisierung sei für die FDP kein Dogma. Was gilt?

Haussmann: Gelten muß der grundsätzliche Ansatz dieser Koalition: mehr Markt und mehr Wettbewerb. Es ist daher auf Dauer unbefriedigend, wenn sich von den 500 größten Unternehmen der Bundesrepublik 88 in Staatshand befinden. Hier müssen wir Fortschritte machen. Und ich finde, die Beweislast für die unternehmerische Beteiligung der öffentlichen Hand liegt grundsätzlich nicht bei dem, der privatisieren will, sondern bei dem, der dem Staat Unternehmensbeteiligungen erhalten will.

ZEIT: Nun wäre es doch sicher falsch zu sagen, der Staat sei ein schlechter Unternehmer. 1982 haben die Unternehmen und Banken des Bundes beinahe 300 Millionen Mark Überschuß erzielt. Es gibt florierende Unternehmen wie VW, die sogar Teile ihres Gewinns an gemeinnützige Stiftungen ausschütten. Warum also privatisieren?

Haussmann: Der Reiz liegt darin, daß die Perlen auch privatisierungsfähig sind. Oder umgekehrt: Wir hätten gar keine Chance, ganz schlechte Staatsunternehmen am Markt unterzubringen. Der Staat sollte auch nicht auf Privatisierungsgewinne ausgehen. Das gehört nicht zu seinem direkten Betätigungsfeld. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch: Aus der Privatisierungsaktion sollen die anderen am Markt befindlichen Unternehmen sehen, daß der Staat eigentlich keine Aufgabe als Mitunternehmen hat und haben will.

ZEIT: Von Ausnahmen abgesehen?

Haussmann: Von Ausnahmen im Energiesektor oder im Transportbereich – siehe Bundesbahn – abgesehen. In diesen Bereichen müssen wir verantwortlich drinbleiben. Aber im Automobilbau oder in weiten Bereichen des Veba-Konzerns ist der Staat gar nicht gefordert. Das können andere besser.

ZEIT: Nun gibt es auch Unternehmen, die unter Branchenkrisen leiden – etwa die Saarbergwerke AG. Verlust 1982: 88,8 Millionen Mark. Daß dieses Unternehmen zu verkaufen ist, glauben Sie doch sicher auch nicht. Ist da nicht eine gewisse Mischkalkulation erlaubt? Nur so können doch schlechte Ergebnisse durch gute ausgeglichen werden.