Unerwünschte Besucher

Trotz der Reiseerleichterungen, die die polnischen Behörden seit kurzem praktizieren, gelangen viele Polen nicht an das gewünschte Reiseziel. Denn nun sperren sich plötzlich einige westliche Länder gegen die polnischen Besucher. Die amerikanische Botschaft in Warschau lehnt fast die Hälfte der wöchentlich rund 600 Anträge für ein Touristenvisum ab – aus Sorge, die Besucher würden nicht wieder in die Heimat zurückkehren. Auch Österreich, Großbritannien und die Niederlande haben bürokratische Hürden errichtet. Lediglich die Bundesrepublik hält ihre Tore weit geöffnet: Ihre Warschauer Vertretung erteilt gegenwärtig täglich mehr als 2000 Besuchsvisa. Ganz anders die Schweizer. Sie haben vor ihrer Botschaft ein Schild aufgestellt, das enttäuschte Antragsteller mahnt: „Es ist sinnlos, sich über die Ablehnung eines Visums zu beschweren. Wir machen keine Ausnahmen. Diskussionen verlängern nur die Wartezeit Ihrer Mitbürger.“

Wichtige Umfrage

Wie würden Bundestagswahlen bei uns ausgehen, wenn die großen Parteien – sagen wir – Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt als Kanzlerkandidaten aufbieten würden? Kein Mensch käme wohl auf die Idee, diese Frage zu untersuchen und sich diese Untersuchung auch noch Geld kosten zu lassen. Anders in Amerika: Die Werbestrategen der großen Parteien ließen einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung fragen, wen sie ins Weiße Haus wählen würden, wenn der geschaßte Richard Nixon gegen den unpopulären Jimmy Carter anträte. Carter distanzierte Nixon mit 56 gegen 33 Prozent der Wählerstimmen, und die einigen Wahlforscher lesen jetzt vielleicht Geschichtsbücher, um die nächsten irrealen Präsidentschaftswahlen zu simulieren. Vielleicht Eisenhower gegen John Kennedy? Oder George Washington gegen Thomas Jefferson? Manchem Befragten wird die Wahl hier vielleicht leichter fallen als in der Realität des Jahres 1984.

Offizialesisch

Eine völkerverbindende Gemeinsamkeit ist die Klage über den Sprachverfall. In Deutschland handelt es sich zumeist um die (Weh-)Klage von Feuilletonisten über die anarchische Rechtschreibung von Abiturienten und den unverständlichen Banawurmstil der Ämter. Einen Schritt weiter ist man in den USA, wo sogar die gerichtliche Klage zugelassen wird. Ein Richter am Bezirksgericht von New York verurteilte die Sozialbehörde, die Leistungsbescheide der staatlichen Gesundheitsfürsorge in lesbares Englisch zu übersetzen. Die gegenwärtig gebräuchliche Amtssprache brandmarkte der Richter als „doppelzüngiges Offizialesisch“, als „Bürokratenkauderwelsch“, zu Englisch „Gobbledygook“.

Schwabinger Kunstpreis für Ebert