DIE ZEIT

Neuer Streik im Herbst?

Wer dazu neigt, in der geballten Faust bereits eine Manifestation der Macht zu erkennen, könnte schon wieder einen „heißen Herbst“ befürchten, eine Eskalation der innenpolitischen Auseinandersetzung, diesmal auf dem Felde der Verteilungspolitik.

Wie Vertrauen verspielt wird

Schlimm, wie wenig wir von unseren östlichen Nachbarn wissen. Da fährt man ganz wohlgemut nach Polen und denkt, die Sache mit dem Revanchismus braucht man sicherlich nicht ganz ernst zu nehmen, denn es kann ja wohl nicht sein, daß die Deutschen, die 1982 und 1983 in einer Aufwallung von Mitgefühl bis zu 30 000 Pakete täglich ins Nachbarland schickten, im darauffolgenden Jahr finsterer, revanchistischer Pläne für fähig gehalten werden.

Der SED-Chef hat seinen Besuch verschoben. Was bewog ihn zu seiner Entscheidung?: Der Mann, der nicht von drüben kam

Erich Honecker hat seinen Besuch in der Bundesrepublik verschoben, zum zweiten Mal. In diesem September kommt er nicht. Bevor die Folgen seiner Absage für die deutsch-deutschen Beziehungen spürbar werden – und das werden sie gewiß –, scheint die Besuchsaufkündigung zunächst einmal für manche Teile der westdeutschen, auch der französischen, amerikanischen Öffentlichkeit ebenso schön, so anregend zu sein, wie es der Besuch selber allenfalls hätte werden können.

Worte der Woche

„Ich kann mir ein Industrieland nun wirklich nicht als Safaripark vorstellen, und ich glaube auch, daß alle, die hier von einer unbefleckten Naturlandschaft schwärmen, bös aufwachen würden, hätten sie Gelegenheit, ihre Träumereien zu verwirklichen.

Zeitspiegel

Nach Barbados, St. Vincent, Montserrat und Antigua wollen jetzt noch mehr karibische Zwergstaaten dem amerikanischen Entwicklungsplan für die Karibik nicht beitreten.

Wolfgang Ebert: Verkehrsunfall

Kohl... ach, Sie schon wieder... danke, gut und Ihnen?... Aber ich habe Ihnen doch erst gestern gesagt... Also gut, dann war’s eben vorgestern.

Friedensbewegung: Hase und Igel

Zweideutig hatte sich Franz Nadler eigentlich nicht ausgedrückt. Zwar deutete der junge Pazifist während des Treffens der „Arbeitsgruppe Aktionsherbst ’84“ nur listig an: „Falls keine Manöver stattfinden, kann man ja die für die Zivilisation gefährlichen Straßenlöcher zumachen.

Datenschutz nach dem Volkszählungsurteil: Auch einmal nein sagen?

Wenn alte Füchse von Versöhnung sprechen, sollten die Gänse gewarnt sein. Das ist, unfreundlich verkürzt, das Ergebnis eines dreitägigen Symposiums „Informationsgesellschaft oder Überwachungsstaat“, zu dem die hessische Landesregierung vorige Woche in den Landtag geladen hatte.

Ende der Linksunion: Abschied

Die französischen Kommunisten haben Präsident Mitterrand endgültig die Partnerschaft aufgekündigt. Es fehlte das Pathos, weil das Ende dessen, was in besseren Zeiten „Linksunion“ genannt wurde, längst abzusehen war.

Frauen-Diskriminierung: Durchbruch

Das Arbeitsgericht in Hamm hat ein wegweisendes Urteil gefällt. Es sprach zwei Sozialarbeiterinnen Schadensersatz in Höhe von sechs Monatsgehältern zu, weil die Frauen allein wegen ihres Geschlechts von der Arbeit in einem Männergefängnis ausgeschlossen worden waren.

Kanadas neuer Premierminister: Ein „roter Tory“ in Ottawa

Der eine hat den Papst begrüßt, der andere ihn verabschiedet. Beide sind sie katholisch, und auch in ihrem politischen Glaubensbekenntnis liegen sie nicht allzuweit auseinander: Der eine gilt als konservativer Liberaler, der andere als „roter Tory“.

Chile: Fest im Sattel

Zwei Tage hatten sich Demonstranten und Polizei erbitterte Straßenschlachten geliefert, in deren Verlauf der unbeteiligte französische Priester André Jarlan erschossen wurde.

Den Grünen nicht grün

In den Urlaub hatte sich Ottfried Hennig, parlamentarischer Staatssekretär im Hause Windelen, sperrige Lektüre mitgenommen: das Programm der Grünen.

Der Papst: „Nichts gegen die Marxisten...“

Auf dem Flug von Johannes Paul II. nach Kanada sprach ZEIT-Mitarbeiter Hansjakob Stehle mit dem Papst über den Streit um die Befreiungstheologie und den Dialog zwischen katholischer Kirche und marxistischen Regierungen.

Japan: Reue unter Vorbehalt

Beim Besuch des südkoreanischen Präsidenten Chun Doo Hwan in Tokio konnte sich Kaiser Hirohito zu keiner klaren Entschuldigung für fünfunddreißig Jahre brutaler japanischer Kolonialherrschaft in Korea durchringen.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Otto Graf Lambsdorff, zurückgetretener Wirtschaftsminister, sein Vorgänger Hans Friderichs sowie der ehemalige Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch müssen sich vom 10.

BONNER BÜHNE: Sehnen nach Ruhe

Nur diese Woche noch mit der Parlamentsdebatte über den Einbruch in der Ostpolitik – nur diese Woche noch und dann, so seufzen die Deutschlandexperten im Regierungsapparat hoffnungsvoll, „die Sache endlich runterholen“.

Südafrika: Aufruhr in den Gettos

Am Tag, an dem Südafrikas neue Verfassung in Kraft trat, brannte es in den schwarzen Gettos südlich von Johannesburg. In den townships Sebokeng, Sharpeville und Evaton gingen Tausende auf die Straße.

Frau raus!: Eine reine Herrenriege

Während andere schwäbische Dörfer friedlich durch die Ferien dösen, ist in Straßberg auf der Schwäbischen Alb die sommerliche Ruhe jäh gestört.

750 Jahre: Rüsten um die Wette

Im Jahr 1987 wird Berlin 750 Jahre alt. Kein besonders würdiges Alter für eine europäische Metropole, aber eine Zahl immerhin, die Grund zum Feiern bietet.

Rothemund contra Friedrich: Der Kampf um die Erbhöfe

Der grauhaarige Herr am Kopfende des Tisches engagiert sich. Seine Hände zittern manchmal leicht, seine Gedanken können sich oft nicht voneinander trennen, die Sätze schweifen weitaus, in die Vergangenheit, ins Ausland.

Hilf dir selbst...

Bei manchen Zeitschriften gehört es zum ständigen Repertoire, den Leser darüber aufzuklären, was derzeit in ist und was schon wieder out ist.

Bonner Kulisse

In der vergangenen Woche tischte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Friedrich Voss, den Vertretern einiger Nachrichtenagenturen „Informationen“ auf, die, obwohl tags darauf weithin verbreitet, doch eher den Charakter der Desinformation trugen.

DAG contra ÖTV: Eigensinn

Sie sind sich spinnefeind: die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV).

Ärzte: Schutzzaun?

Die Vokabel „Nullrunde“ führt bei Lohn- und Gehaltsrunden immer zu Protesten. So will es das Ritual. Daher wundert nicht, wenn die Kassenärzte sich jetzt gegen weitere Eingriffe in die geltenden Honorar- sprich Gebührenverträge sperren.

Freie Wirtschaftszonen: Träume

Allmählich scheint auch dem einen oder anderen Unionspolitiker aufzugehen, daß die christdemokratisch geführte Regierung in Bonn bislang ihr Versprechen nicht wahrgemacht hat, durch wirtschaftspolitische Kunst eine neue Blüte der heimischen Ökonomie ins Werk zu setzen.

Brüsseler Finanz-Chaos

Noch nie ist der Glanz eines Gipfeltreffens der europäischen Staats- und Regierungschefs so rasch verblaßt wie der des EG-Spitzengesprächs von Fontainebleau.

Ruhrgebiet: Aschenputtel

Es ist Mode geworden, von „der Ruhr“ als einer Art Armenhaus der Nation zu sprechen. Vor dem Schreckensbild eines gigantischen Notstandsgebiets gefallen sich Politiker aller Schattierungen in der Forderung nach milliardenschweren staatlichen Strukturprogrammen.

Stärker als die Theorie

Allen Unkenrufen zum Trotz steigt der Dollarkurs weiter. Vor sechs Wochen, als ein Dollar 2,88 Mark kostete, standen die Wetten in New York zwanzig zu achtzig: zwanzig für die Ansicht, daß er noch weiter steigen werde, achtzig für das damalige Niveau.

Norwegen: Texas in der Nordsee

In der Ausgabe 1974 des Nachschlagewerkes „Die Staaten der Erde“ findet sich unter der Rubrik Norwegen der Satz: „Die norwegische Handelsbilanz ist stets negativ.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Anlauf war mühsamer als erwartet, doch der Absprung scheint am Ende noch zu gelingen: die Heidelberger Progen Biotechnik wird kommende Woche mit dem Laborbetrieb beginnen.

Wir sind nicht bankrott

ZEIT: Herr Hensche, der Kampf um die Wochenarbeitszeitverkürzung soll die IG Druck rund fünfzig Millionen Mark gekostet haben, aber nur sechs Millionen waren bei Streikbeginn in der Kasse.

ZEITRAFFER

Die Gewinne der börsennotierten deutschen Unternehmen werden nach Berechnungen der DEGAB, Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung in Frankfurt, in diesem Jahr im Schnitt um voraussichtlich 12,5 Prozent steigen.

Viel Verständnis in Bonn

Durch die rechtliche Ausgliederung ihrer Stahlunternehmen wollen Konzerne wie Thyssen, Krupp und Hoesch das Gesamtunternehmen von der Verpflichtung befreien, dem Steuerzahler das Geld zurückzuerstatten, das der Staat für die Subventionierung der Stahlindustrie zur Verfügung stellt.

+ Weitere Artikel anzeigen