DIE ZEIT

Dauertrommler

Als dreijähriges Kind beschloß er, nicht weiter zu wachsen – aber nun ist er in die Jahre gekommen: Oskar Matzerath, der glaszersingende „Held“ der „Blechtrommel“; die ist vor genau 25 Jahren erschienen, der Kerl könnte Vater sein.

Dengs Triumph

Vor 35 Jahren rief Mao Tse-tung vom Tor des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China aus. Das chinesische Volk, so lautete die selbstbewußte Botschaft des Revolutionärs, habe sich erhoben, das Joch feudaler Knechtschaft und kolonialer Bevormundung abgeworfen.

Ende der Eiszeit?

Des Kremls Weltgendarm mit der kummervollen Buster-Keaton-Miene spielte den gutgelaunten Kauz, während Washingtons gelernter Schauspieler mit dem einstudierten Präsidenten-Lächeln eher kantig wirkte.

In alter Form

Defizite in der Wählergunst ersetzt man am besten durch Verzicht auf Popularität. Das ist keine Parole der Bürgerpartei in der Kommunalwahl von Schilda, sondern die hartnäckig überlebende Devise der britischen Labour Party.

Wenn jede Wahl zum Menetekel wird

Am zweiten Jahrestag seiner Regierungsübernahme hatte Helmut Kohl keinen Anlaß zur Freude. Die Schlappe seiner Partei in Nordrhein-Westfalen überschattete ein Jubiläum, das ohnehin nicht zu Jubel einlud.

Zeitspiegel

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Staat und einer Räuberbande?“ So fragt traditionell die Rechtsphilosophie. Sie antwortet natürlich nicht „Keiner“, sondern legt umfangreich dar, weshalb die Gewalt des Staates legitim ist, die der Räuberbande nicht.

Bundespräsident: Der Fragesteller der Nation

Am kommenden Sonntag wird Richard von Weizsäcker ganz bei sich selber sein. Da fällt es ihm zu, in der Frankfurter Paulskirche die Laudatio auf Octavio Paz zu halten, zur Verleihung des vom Buchhandel gestifteten Friedenspreises.

Geschenke aus Bonn

Am gleichen Tag, an dem sich Hans-Dietrich Genscher und seine EG-Kollegen in Costa Rica den Problemen Mittel- und Südamerikas zuwandten, unterzeichnete sein Kabinettskollege Jürgen Warnke (CSU) im benachbarten El Salvador ein Regierungsabkommen über die Wiederaufnahme der Entwicklungshilfe.

Ägypten: Unruhen ums Brot

Das Kairoer Innenministerium suchte die Schuld an den blutigen Demonstrationen, bei denen drei Menschen ums Leben kamen, bei „extremistischen Elementen der Linken“.

Berlin: Apels Team

Seine „Kernmannschaft“ hat Hans Apel, Spitzenkandidat der SPD für die Berliner Abgeordnetenhauswahlen am 10. März 1985, vorgestellt.

BONNER BUHNE

Feiertage in Bonn: Eher bekümmert lauschte der CDU-Bundesausschuß einer Bußpredigt Helmut Kohls anläßlich des Wahlausgangs in Nordrhein-Westfalen, der den zweiten Geburtstag der Koalition so verhagelt hatte – bis die Rede auf Franz Josef Strauß kam.

DAS KURZE INTERVIEW: Der DED wehrt sich

Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) in Berlin, der Entwicklungshelfer für die Dritte Welt ausbildet und betreut, soll stärker an die politischen Absichten der Bundesregierung gebunden werden.

Kommunalwahlen: Neues im Westen

Die stärkste Partei bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen ist nicht etwa die SPD: Diesen Superlativ verdient im Grunde die „Partei“ der Nichtwähler, all jene, die weder durch Leistung oder Köpfe noch durch Versprechen oder mahnendes Bitten an die Urnen gelockt werden konnten.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Beim schwersten Schiffsunglück im Hamburger Hafen nach dem Kriege waren nach ersten Meldungen Dienstag abend 23 Menschen ums Leben gekommen.

Hongkong-Abkommen: „Klatschen mit einer Hand“

Zwischen zwei mit Samt bezogenen Pappdeckeln besiegelten Großbritanniens Botschafter Sir Richard Evans und Chinas Vize-Außenminister Zhou Nan am vergangenen Mittwoch die Zukunft Hongkongs.

Wolfgang Ebert: Bestseller

Ich bin kein Chaot! (Schreckenberger). Die langerwartete Rechtfertigung des Kanzleramts-Chefs, in der er mit seinem Schulfreund und Protektor Kohl erstaunlich schonungslos umspringt und ihn ganz unverhohlen für den Pannensommer verantwortlich macht.

Das Hinterland wird gesperrt

Die spanische Presse rühmte die „historische Entscheidung“ der Franzosen, und der Regierungschef in Madrid war voller Dankbarkeit: Felipe González sah in der Auslieferung dreier baskischer Untergrundkämpfer die „juristische und politische Bestätigung des von Spanien vertretenen Prinzips, wonach die Terroraktionen der ETA keine politischen Straftaten sind“.

Datenschutz: Die Namen der Wähler sind begehrt

Peter Ulrich ist so richtig sauer auf die Alternativen. Der Berliner SPD-Landesvorsitzende und sozialdemokratische Fraktionschef im Abgeordnetenhaus sieht seine Partei „verleumdet“ und schimpft auf „bösartige Unterstellungen“.

Frauen: Kampf um eine Klinik

Rund achtzig Jahre alt ist die Landesfrauenklinik in Wuppertal, fast genauso alt wie die Wuppertaler Schwebebahn, aber nicht annähernd so bekannt.

Wehrtheater: Vorhang auf, Feuer frei!

Antreten zum Theater: Der blaumelierte Kunststoffboden der Mehrzweckhalle federt unter den Schritten von 500 einmarschierenden Soldaten.

Umweltschutz: Billiger mit Bus und Bahn

Die „Umweltschutz-Karte“ ist keine Landkarte der sterbenden Wälder, sondern ein Billiefahrschein der Freiburger Verkehrs-AG, mit dem gegen die Zerstörung der Wälder angegangen werden soll.

Oktoberfest: Hendl aus drei Hälften

Die Szene sollte Folgen haben: Richard Süßmeier, 54 Jahre alt, ein stiernackiger, schlitzohriger, listiger Bayer, der auch in der Körpergröße seinem Ebenbild Napoleon sehr ähnelt, schlüpfte wieder mal in eine neue Maske.

Lügengeschichten: Die falsche Erbin

Eine Frau um die vierzig, kurze graue Haare, wie an einem Topfrand abgeschnitten, im braven blaßblauen Faltenrock, rote Spangenschuhe, die vor fünf Jahren modern waren.

Die Zukunft einüben

Einige fürchten es, andere freuen sich vielleicht sogar darüber: auf eine Fortsetzung des Streits um die kürzere Wochenarbeitszeit in den Betrieben.

Kabelfernsehen: Akzeptanz

Eines muß man Postminister Schwarz-Schilling lassen: Wenn es gilt, seine Kabelpolitik zu loben, dann ist er ein Meister seines Fachs.

Bonner Kulisse

Man erinnert sich noch, manche sicher sehr ungern: Die Wörner-Affäre um den inzwischen mit allen Ehren entlassenen und rehabilitierten Bundeswehrgeneral Günter Kießling hatte dem Steuerzahler einen finanziellen Schaden von mindestens 100 000 Mark verursacht, Geld und Spesen für dubiose Zeugen eingeschlossen.

Den Krieg erklärt

Von Henri Krasucki, dem Chef der kommunistischen Gewerkschaft CGT (Confederation Generale du Travail), hängt jetzt vieles ab: vielleicht sogar die gedeihliche Zukunft einer der wichtigsten Institutionen in Frankreich, des Staatskonzerns Renault.

Frankreich: Planspiele

Trotz französischer Erfolge im Kampf gegen die Teuerung bleibt die Inflationsdifferenz zwischen Frankreich und der Bundesrepublik mit rund fünf Prozent hoch – zu hoch.

Dollar: Das Ziel – eine weiche Landung

Der amerikanische Finanzminister Donald Regan fühlt sich bestätigt. Er hat immer behauptet, die hohen amerikanischen Zinsen hätten nichts mit den hohen amerikanischen Haushaltsdefiziten zu tun.

Es wird weiter geschuftet

Während der Arbeitskämpfe in der Bundesrepublik um die 35-Stunden-Woche waren sich Öffentlichkeit und Medien Japans in ihrem Urteil einig: ein abschreckendes Beispiel des Niedergangs deutscher Arbeitsmoral.

Immer dringlicher wird nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen gerufen Der Nutzen einer solchen Maßnahme ist aber zweifelhaft, ihr Schaden schon jetzt abzusehen : Umweltschutz mit falschen Mitteln

Die schiere Größe der Koalition ist schon beeindruckend: Die Sozialdemokraten, natürlich die Grünen, aber auch Teile der CDU und CSU fordern immer dringlicher eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern auf den Autobahnen und 80 Stundenkilometern auf Bundes- und Landstraßen.

Friedrich Zimmermann:: Kein Anlaß

„Der Bundesverkehrsminister, der Bundesfinanzminister und der Bundesinnenminister sind übereinstimmend der Meinung, daß zur Einführung eines Tempolimits gegenwärtig kein Anlaß besteht.

Das Umweltbundesamt glaubt auf Grund neuer Daten, daß eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Straßen die Abgasbilanz verbessert. Die Umweltminister der Länder haben die Studie als Grundlage für ihre nächste Konferenz im November zugeschickt bekommen.: Tempo 100 auf Autobahnen?

er Reporter der Zeitschrift auto motor und sport wollte es genau wissen: Ob der Vorschlag, für ein Jahr Tempo 100 und Tempo 80 als Modell auf deutschen Autobahnen und Landstraßen vorzuschreiben, endgültig vom Tisch sei, fragte er vor zwei Monaten Verkehrsminister Werner Dollinger.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Vorstand der Deutschen Lufthansa wurde sanft gemahnt. „Ich hoffe natürlich auch“, sagte Martin Grüner, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, vor der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt in Hamburg, „daß der so oft angesprochene Airbus A 320 nicht nur in den Hamburger Produktionsstätten zu finden ist, sondern auch im hiesigen Service-Zentrum der Lufthansa.

Vorwurf ist unbegründet

Schwebler: Ich muß den Vorwurf entschieden zurückweisen. Die gemischte Lebensversicherung hat sich bis heute sowohl unter Versorgungsgesichtspunkten, als auch unter Renditeaspekten als ein sehr leistungsfähiges Produkt erwiesen.

ZEITRAFFER

Trotz schlechter Gewinnerwartungen für 1984 wächst bei den mittleren bundesdeutschen Unternehmen die Investitionsbereitschaft.

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