Die Belegschaft fordert umfassendere Maßnahmen zur Sanierung des Fürther Unternehmens

Grundig, einst Paradeunternehmen im Wirtschaftswunderland, ist zum Sanierungsfall geworden. Mit dem Rücken zur Wand kämpfen derzeit die Betriebsräte der Grundig AG in Fürth im Verein mit der IG Metall gegen die von ihnen als „Kahlschlag“ empfundene harte Eatlassungsaktion, die fast siebentausend der rund 24 000 Beschäftigten im In- und Ausland den Job kosten soll.

Die neuen Herren des Unternehmens, der vom Großaktionär Philips nach Fürth entsandte Vorstandsvorsitzende Hermanus Koning und seine Mannschaft, sehen indes keinen anderen Ausweg aus der schlimmen Situation des Unternehmens, das sie am 1. April vergangenen Jahres von Firmengründer Max Grundig übernommen haben. Ohne drastischen Personalabbau, so Koning in schonungsloser Offenheit, drohe die „Katastrophe“, steuere Grundig in den Ruin. Für über 2500 Grundig-Mitarbeiter in Nordbayern wurde bereits die Massenentlassung beantragt: fast 1200 am Stammsitz Fürth, rund tausend im Werk Nürnberg-Langwasser, die übrigen in den Werken Georgensgmünd, Bayreuth und Vohenstrauss. Die Fabriken Vohenstrauss mit dreihundert Mitarbeitern und Georgensgmünd (sechshundert Beschäftigte) sind ohnedies gefährdet.

Die Gewerkschaft verkennt den Ernst der Lage nicht, aber sie greift nach dem „Strohhalm“, wie IG-Metall-Bevollmächtigter Helmut Wittmann in Fürth zugibt. Ihr Rezept: Statt eines Sozialplans solle ein „Beschäftigungsplan“ verabschiedet werden. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern überdies, daß neue „Produktlinien“ außerhalb der Unterhaltungselektronik weiterentwickelt und schleunigst auf den Markt gebracht werden. Eine paritätische Kommission, der auch externe Fachleute angehören, soll die Weichen für die Diversifikation stellen, auf die sich das Unternehmen zudem durch eine forcierte Weiterbildung vorbereiten müsse.

Chancen sehen die Belegschaftsvertreter vor allem im Bereich der sogenannten professionellen Elektronik, so in der Umwelt- und Meßtechnik, bei Sicherheits- und Notrufausrüstungen, Anlagen zur Überwachung und Lärmminderung, zur Wärme- und Stromeinsparung, schließlich in der Funktechnik und auf dem Zukunftsgebiet der Autoelektronik. Wer den Markt für diese Produkte kennt, und die Konkurrenzsituation realistisch einschätzt, ist allerdings skeptisch. „Die Liste liest sich wie aus einem Messekatalog abgeschrieben“, lautet ein Kommentar aus dem Hause Grundig. Es sei irreal, wenn man hier mit raschen Ergebnissen rechne.

Scharfe Kritik der IG Metall

Die Gewerkschaft übt indessen scharfe Kritik daran, daß auch in der Entwicklungsabteilung mit rund sechshundert bis siebenhundert Köpfen gesiebt und abgebaut wird. „Das ist doch widersinnig“, sagt Wittmann. Er sieht darin den Beweis, daß Grundig zu einer „verlängerten Werkbank“ des Philips-Konzerns degradiert werden soll.