Kaiserslautern

Der Kunsterzieher Ulrich Foltz darf nicht mehr unterrichten, weil er Mitglied im Bundesverband der Deutschen Friedens-Union (DFU) ist, und das, so erklärt Georg Rothe, Schüler am Kaiserslauterner Burggymnasium, „hat uns zu denken gegeben“. Auen Eltern, der Personalrat der Schule, Gewerkschaftsvertreter und Sozialdemokraten machten sich Gedanken, und 300 Schüler gingen für ihren Lehrer auf die Straße. Doch weder Pennälerprotest noch empörte Leserbriefe an die Lokalpresse vermochten die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz zu beeindrucken; für den Studienrat auf Probe hat das neue Jahr mit seiner Entlassung aus dem Schuldienst begonnen.

Daß die Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei Verwaltungsrichtern suspekt erscheint, ist ein alter Hut. Neu ist an diesem Fall, daß ein Beamter schon durch das Eintreten für die Friedensbewegung staatlichen Argwohn erregte. So wurde Foltz 1976 zum Staatsfeind, als er der DFU beitrat. Denn die Forderungen der DFU, so monieren die Neustädter Behördenvertreter in der Entlassungsverfügung für den Pädagogen, die stünden so auch im DKP-Programm. Die DFU-Wünsche nach „Frieden, Entspannung und Abrüstung sowie nach Völkerfreundschaft und friedlicher Koexistenz“ seien auch bei den Kommunisten aufgeführt. Und zwar in der gleichen Reihenfolge.

Ulrich Foltz hatte bei seinem Beitritt geglaubt, die DFU sei eine Organisation, „in der sich viele Christen für eine Politik der friedlichen Koexistenz einsetzen“. Die Gedanken des Theologen Karl Barth, eines Kirchenmannes, der in der Zeit des kalten Krieges den Dialog mit Kommunisten aufgenommen hat, habe für den Kunst- und Theologiestudenten eine große Rolle gespielt. Die. Bezirksregierung dagegen sieht in der DFU einen, völlig unchristlichen Förderverein für kommunistische Unterwanderung. An der Verfassungstreue des Lehrers zweifelten die Regierungsbeamten außerdem, weil „Erkenntnisse über seine Mitarbeit in der „Initiative für ein Mainzer Bürgerkomitee zur Verteidigung der Grundrechte gegen Berufsverbote’ vorlagen“. Ob Ulrich Foltz da vorausschauend tätig war? Sein Dienstherr fand, schon die Aussprache des Begriffs „Berufsverbot“ diskreditiere die Bundesrepublik über Gebühr, denn – so die Begründung in der Entlassungsverfügung: „Die Verfassung und das Beamtenrecht stellen kein Berufsverbot, sondern nur eine legitime Zulassungsvoraussetzung zum Schutz der freiheitlichdemokratischen Grundordnung auf.“

Die pädagogischen Qualitäten von Ulrich Foltz standen bei der Schulbehörde nicht zur Debatte, Schüler und Kollegen lobten seinen Unterricht; fünf Jahre lang hatte es keine politischen Schwie-

„Der Mann versucht, ein Christ zu sein, eine tödliche Gefahr beim Namen zu nennen, und ist Mitglied in der DFU – einer Partei, die man mit dem Mikroskop suchen muß, und die nicht verboten ist“, kommentierte Heinrich Albertz und sprach von einer „Inquisition“ des Staates. Davon mag der Regierungspräsident Paul Schädler nichts hören. Denn Ulrich Foltz hat sich um das Prinzip der „friedlichen Koexistenz“ bemüht, und damit verkannt (sagt die Entlassungsverfügung), „daß dieser Grunasatz aus dem marxistisch-leninistischen Gedankengut stammt“.

Hätten Sie’s gewußt?

Dörte Schubert