Von Ingo Reuss

Viele hätten sie gerne, nicht allen sind sie vergönnt – die „Goodies“ auf vier Rädern. Beigaben in Form von Dienstwohnungen, Firmenpensionen und Personalkrediten gibt es schon lange, aber groß im Kommen ist der Dienstwagen, der privat zu nutzende, versteht sich.

Für unsere Nachbarn,’ insbesondere die angelsächsischen Länder, sind Dienstwagen fast schon selbstverständlich. Zu Zeiten des Preis- und Lohnstopps suchte man nach einem Ausweg und fand ihn – das Auto als Gehaltsaufbesserung. Seit Jahren verdienen englische Automobilhersteller kräftig an diesem Geschäft. Rund 70 Prozent ihres Absatzes gehen auf „Flottenverkäufe“ zurück.

Über solche Zahlen kann die deutsche Automobilindustrie nur staunen, obwohl auch hierzulande der Flottenanteil nicht unbedeutend ist. Experten sprechen von durchschnittlich 13 Prozent mit zunehmender Tendenz. Von den Autoherstellern wird der Flottenverkauf, obwohl weitgehend konjunkturunabhängig, gern als „schwierig“ hingestellt, weil die Konkurrenz groß ist. Da hält man sich mit Informationen lieber zurück. Auskunftsfreudig, weil vom Stolz verführt, zeigen sich nur Unternehmen, die im Flottengeschäft stärker sind als im allgemeinen Marktanteil, etwa Spitzenreiter Opel (Marktanteil: 18 Prozent), der es auf 30 . rozent bei den Großabnehmern bringt, oder Ford, dessen Flottenverkaufsanteil den Marktanteil (1984: rund 12 Prozent) ebenfalls mit gut 28 Prozent weit übertrifft.

Grob gesehen teilt sich das Flottengeschäft auf in Fahrzeuge für den Fuhrpark- und den Dienstwagenbereich; die Industrie unterscheidet funktionelle von persönlich zugeteilten Firmenautos. Die Wahl der Modelle richtet sich vorwiegend nach wirtschaftlichen Kriterien, geschätzt sind robuste, langlebige Fahrzeuge mit unauffälligem Erscheinungsbild. Die Typisierung – für jede Nutzungsart möglichst nur ein Fanrzeugmodell – bietet Vorteile beim Kauf (Rabatte von mindestens 10 Prozent) und der Instandhaltung (wegen der Ersatzteile und Fachkräfte im Fall eigener Werkstätten). Kraftstoffverbrauch und Wiederverkaufserlös spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Wegen der steuerlichen Abschreibung wird das Auto üblicherweise vier bis fünf Jahre gefahren, bei einer jährlichen Kilometerleistung über 40 000 auch kürzer.

Nur Behörden fahren die Fahrzeuge praktisch bis sie abgewirtschaftet sind: 10 Jahre und weit über 100 000 Kilometer sind keine Seltenheit. Günter Bühre, Herr über den größten zivilen Fuhrpark Europas, bevorzugt für die Bundespost den Golf Diesel als Personenwagen, behält aber den Markt im Auge. So laufen zur Zeit in einem großen Diesel-Vergleichstest Kadett, Fiesta und Polo bei der Post.

Im Gegensatz zu den Behörden, die gehalten sind, „die Töchter des Landes angemessen zu berücksichtigen“, haben in der Wirtschaft, wo in höheren Gehaltsklassen durchaus Individual-Wünsche respektiert werden, auch ausländische Anbieter eine Chance. Franzosen, Italiener, Briten und Schweden nutzen sie recht gut, neuerdings kommen auch die Japaner ins Geschäft. Aber meist bleibt es auch in der Wirtschaft beim bewährten Durchschnitt. So hat sich beispielsweise die Commodore Computerfirma für den Passat Diesel entschieden, wegen dessen Wirtschaftlichkeit, aber auch wegen der Vielseitigkeit dieser Limousine mit praktischer Heckklappe und umlegbarer Sitzbank.