Von Sigrid Röhl

Bremen

Gegen den Widerstand erboster Eltern und Philologen hat der Stadtstaat Bremen weitgehend Ernst gemacht mit der Abschaffung traditioneller Gymnasien. Derzeit gibt es im Bundesland an der Weser noch sechs, aber nur zwei davon will auch der Bildungssenator erhalten: das Kippenberg-Gymnasium und das Alte Gymnasium, auf dem – man mag es in Bremen schon nicht mehr hören – einst Karl Carstens Latein und Griechisch büffelte.

Zwar wird man auch in Bremen in Zukunft noch Abitur machen können, aber in der Regel eben nicht mehr auf den abgewetzten Bänken der alten Bildungspenne, sondern in den neuen „Stufenzentren“, die Haupt- und Realschule und Gymnasium von der 7. bis zur 10. Klasse unter einem Dach zusammenfassen.

Schon vor zehn Jahren wurde im Bremer Schulgesetz beschlossen: Die Schulen sind schrittweise zu einem integrierten, in Stufen gegliederten Gesamtsystem zu entwickeln. Für die seit 40 Jahren im Stadtstaat herrschende SPD ist die Gesamtschule die Konsequenz des Bildungsgesamtplans, der einst von den Kultusministern gemeinsam beschlossen wurde. Auf dem Weg zur integrierten Gesamtschule sind die Stufenzentren Zwiscnenstation. Das erklärte Ziel: Fördern statt auslesen, mehr Chancen für alle.

Seit 1975 ließ man ein Gymnasium nach dem anderen verschwinden – die Siebtkläßler wurden in die Zentren gelenkt. Die meisten Bremer schienen damit zufrieden. Doch im Frühjahr vergangenen Jahres brach sich ein Sturm der Entrüstung Bahn, ausgelöst durch die Veröffentlichung des Schulkonzepts für die 90er Jahre: Es sah die Schließung und Umstrukturierung von 38 Schulen vor, darunter vier der verbliebenen sechs Gymnasien. Betroffene Eltern, Lehrer und Schüler gingen auf die Barrikaden, protestierten auf der Straße und nächtigten demonstrativ in der Aula.

Schon zwei Jahre zuvor hatten die Verfechter der traditionellen Gymnasien sich in einer Bürgerinitiative zusammengefunden. Sie forderten das Recht auf freie Schulwahl, „und das heißt“, so eine Sprecherin der Initiative, „Wahlmöglichkeit für eines der noch bestehenden Gymnasien“. Nach den gültigen Bestimmungen dürfen sich die Eltern in Bremen die Schule nicht aussuchen, in der sich ihre Kinder auf den Weg zum Abitur machen – es hängt vom Wohnsitz ab, was in den meisten Fällen bedeutet: Schulzentrum.