Von Rainer Frenkel

Am Anfang war das Chaos. Angerichtet von den Ministerpräsidenten der Länder und dem Bundespostminister, dem das Pech so treu bleibt wie das Gift seiner Firma Sonnenschein.

Von neuen Medien hatten sie geschwafelt, von Freiheit und Meinungsvielfalt; und sie hatten zumindest diesen Begriff so ernst genommen, daß sie – nach Jahren – noch heute sich nicht einig sind, welcher medienpolitischen Ordnung sich das Neue zu fügen hätte.

Nun ist natürlich auch dem Postminister bekannt, daß sich aus Chaos, aus dem Fehlen von Ordnung also, Nutzen ziehen läßt. Und so zog und zieht er durch die Lande, ein Prophet des vorgestrigen Kupferkabels und des morgigen Fernsehglücks, mit immer neuen Ankündungen freilich weniger Profil als neue Verwirrung stiftend.

Und plötzlich erheben sich aus dem solcherart angereicherten Chaos Strukturen. Werden Fakten gesetzt, die, als rückholbare Versuche getarnt, sich als irreversibel erweisen. Werden Kartelle gebildet, denen kaum oder nur schwer entgegenzutreten ist. In einem Satz: Die neuen Märkte des kommerziellen, privat veranstalteten Rundfunks sind quasi verteilt, noch bevor es sie recht gibt.

Ein paar Beispiele.

  • Die Kabelpilot-Projekte: Angeblich waren sie rückholbar. Doch obwohl die wissenschaftlichen Vorgaben weit verfehlt wurden (die Anschlußzahlen sind noch viel zu gering), glaubt niemand mehr daran. Zuviel Geld ist investiert und teilweise schon verloren. Außerdem hat die Wirklichkeit sie längst überholt.
  • Das Satelliten-Fernsehprogramm Sat 1: Hier dominiert Springer, der zweitgrößte deutsche Medienkonzern; und er hat mit Bauer, Burda und Holtzbrinck (unter anderem) marktstarke Verbündete gefunden. Leo Kirch nicht zu vergessen, Europas größten Filmhändler.
  • Das Programm RTL plus: Es senden gemeinsam Europas größter Medienkonzern Bertelsmann und der erfahrene kommerzielle Anbieter Radio Luxemburg – noch auf dem normalen Weg, bald via Satellit.
  • Der Pay-TV-Kanal: Das Abonnement-Fernsehen betreiben Leo Kirch, Bertelsmann und Springer miteinander. Und sie haben klugerweise gleich eine Reihe der größten amerikanischen Filmproduzenten in eine gemeinsame Tochter aufgenommen.
  • Das Gerücht Springer/Bauer/Burda: Zur Bewältigung kommender Lasten will Springer angeblich 24,9 Prozent auch an Bauer verkaufen, Burda ist schon dabei.
  • Der Plan WDR/WAZ: In Nordrhein-Westfalen reden die WAZ-Gruppe, der größte regionale Zeitungskonzern, und der Nochmonopolist Westdeutscher Rundfunk darüber, wie sich’s kooperieren ließe. Da würden dann auf einem dritten Markt zwei auf ihren bisherigen Heimmärkten Herrschende ihre Positionen gegenseitig absichern. Eine kartellrechtliche Pikanterie, die im Pilotprojekt Ludwigshafen schon ein wenig vorgekostet wurde: Im Südwesten kooperieren ZDF und lokale Zeitungsriesen.
  • Die Gefahr der Doppelmonopole. Schon heute ist fast jeder zweite deutsche Kreis ein sogenanntes Ein-Zeitungsgebiet; das Wort Ist so häßlich wie deutlich. Und natürlich wollen die jeweiligen Verlage bei der Verteilung der privaten Rundfunklizenzen die ersten sein.