Die Bahamas sind für Mark-Touristen ein teures Pflaster geworden – Nassau wirbt um Europäer

Von Monika Putschögl

Hey, mein Name ist Brynda. Ich hol’ noch schnell einen Freund ab, und dann fahren wir ins „Graycliff“. Da laß ich ein paar Modephotos machen. Hey, schau mal nach rechts, da ist das wichtigste Gebäude von Nassau, meine Schule. Oh, du kommst aus Deutschland. Ich mag deutsche Männer, ich hatte mal einen Freund aus Braunschweig, weißt du. – Ich hatte auch einmal einen Freund aus Braunschweig. Das verbindet uns.

Ich kenne Brynda seit drei Minuten. Sie hat mich im Hotel abgeholt. Brynda ist Mitte Zwanzig, schwarz und rank, extrovertiert und Modedesignerin. Sie lebt in Nassau/Bahamas, mag nicht nur deutsche Männer, sondern mag Leute und darum macht sie mit beim Programm „people to people“. Touristen treffen Einheimische oder Einheimische treffen Touristen, wie man’s nimmt. Bahamesische Ladys laden deutsche Urlauber zum Barbecue ein, Baptisten holen Feriengäste zum sonntäglichen Kirchgang ab.

Die Bahamas haben sich mit Haut und Haaren dem Tourismus verschrieben. Die Zahlen sind beeindruckend: Noch vor dem Bankwesen, das für die Bahamas nicht ganz unwichtig ist – weit über 300 Banken sind hier registriert –, ist der Tourismus der Wirtschaftszweig Nr. 1. Zwei Drittel der 226 000 Bewohner der Inseln sind direkt oder indirekt im Tourismus beschäftigt. 735 Millionen Dollar fuhr das Geschäft mit dem Urlaub den Inseln ein. Mehr Geld pro Einwohner (2500 Dollar im Jahr 1981) wird nirgendwo anders mit dieser Industrie verdient. 52 Prozent des direkten Staatseinkommens und 72 Prozent des Bruttosozialprodukts stammen aus dem Tourismus.

75 Prozent kommen aus USA

Er hat den Bahamas eine treffliche Infrastruktur beschert und den höchsten Lebensstandard in der Karibik. Die 700 Inseln und 2000 Cays sind das beliebteste Ferienziel im karibischen Raum. Allein die Ferienkolonie Freeport/Lucaya auf Grand Bahama kann im Jahr soviel Urlauber wie die gesamte Insel Jamaika verbuchen. 2 325 250 Feriengäste machten 1984 über kurz oder lang Station auf den Hauptinseln oder einer der Familien-Inseln.