Auf der Jagd nach Menschenfressern vor der Küste Cornwalls

Von Cordt Schnibben

Wenn du eine Biene tötest, so wurde mir als Kind gesagt, kommen andere Bienen und stechen dich, wenn du eine Qualle tötest, erwischt dich irgendwo eine andere und verbrennt dich. Tiere halten zusammen, Tiere rächen sich. Ich weiß nicht, ob die fünf Menschen, mit denen ich im Moment in einem Boot sitze, in ihrer Kindheit ebenfalls über dieses eherne Gesetz der Natur aufgeklärt worden sind. Jedenfalls haben sie sich fest vorgenommen, in den nächsten Stunden einen Hai zu töten. Ausgerechnet mit dem scharfzahnigsten Teil des Tierreichs wollen sie’s sich verderben. Warum?

Wir sind frühmorgens von Looe gestartet, mit 30 000 Erlegten die europäische Hauptstadt in Sachen Haijagd. Looe liegt an der Südküste Englands, in Cornwall. Unser Boot fährt nach Westen, also Richtung Amerika, den Haien entgegen.

Die Blauhaie – auf die haben wir es abgesehen – paaren sich im Atlantik. Die Weibchen flüchten mit den Neugeborenen vor den gefräßigen Männchen nach Europa, immer den Makrelenschwärmen und dem warmen Golfstrom nach, und tauchen deshalb irgendwann im Kanal auf. Je wärmer das Wasser, um so dichter kommen sie an die cornische Küste: im Mai bis auf 60 Kilometer, im August auch schon mal bis auf fünf Kilometer.

Porsche am Kai, Haß im Herzen

Der Blauhai ist wie der Weiße Hai ein „echter Hai“, zusammen mit dem Tigerhai und anderen gehört er zur Familie der Menschenhaie. Er findet Gefallen am Fleisch unserer Gattung, hat hier und da schon mal zugebissen und runtergeschluckt.