Zeitliches aus Amsterdam

Die Haus- und Schoßhunde Hollands produzieren jährlich 150 Millionen Pfund Abfall. Da auch den edelsten Rassen die Sitten der kanalisierten Zivilisation fremd bleiben, verursachen die vierbeinigen Mitbürger vor allem im praktisch total gepflasterten Amsterdam eine sanitäre Krise. Die Stadt ist sichtlich auf den Hund gekommen und erträgt das nicht länger anstandslos.

Ein behördlicher Sonderausschuß reist nach Paris, weil dort eine neuartige Kehrmaschine die Avenuen und Boulevards von den Andenken der Vierbeiner befreit. Das will man sehen. Und in Wuppertal haben Beamte vom Rathaus Amsterdam ein städtisches Kartonschaufelsystem studiert, das ihnen allerdings zu kostspielig erscheint. Es würde jeden der hunderttausend Hundebesitzer an die 350 Gulden im Jahr kosten.

Gescheitert ist inzwischen auch schon das Projekt „Kakademie“: eine Lehranstalt, die Ende der siebziger Jahre von Hundeklubs gestartet worden war. Herrchen konnte dort seinem achtlos herumwurstenden Struppi den fehlenden Anstand beidrillen lassen. Es fanden sich jedoch nicht genug interessierte Erziehungsberechtigte.

Schon seit Jahren werden die Holländer mit Werbeslogans auf Trottoirs und Häuserwänden bearbeitet: „Hond in de goot“ – Hunde gehörten in die Gosse, damit der nächste Regenguß die Bescherung in den Gully spüle. Auch das hat nicht geholfen. Nach Berechnungen der Stadtreinigung Amsterdam werden allein in der Hauptstadt jeden Tag 75 000 Büchsen Hundefutter und 30 000 Kilogramm Freibankfleisch in umgewandelter Form auf Gehwegen deponiert. Und das Gartenamt kann keinen einzigen Park mehr nennen, den der Mensch achtlos durchstreifen kann.

Eine Umfrage unter den Hundefreunden zeigt, daß nur ein Drittel von ihnen dafür sorgen will, daß der vierbeinige Geselle sich weniger störend bemerkbar macht. Deshalb hat der Stadtverordnete Dick ten Have vom Magistrat Einführung einer gestaffelten Hundesteuer gefordert:

Wes Köter Straßen und Plätze, städtische Parks und Sandkästen nicht beschmutzt, soll von der Haustiersteuer ganz befreit werden; setzt einer seinen Hund wenigstens nicht auf den Gehsteig, zahlt er den üblichen Jahressatz von 200 Gulden; kann einer seinem Köter aber keinen Benimm beibringen, wären 1000 Gulden im Jahr der einzig angemessene Obolus.

Im Rathaus setzt man allerdings die größte Hoffnung auf zunehmende „soziale Kontrolle“, denn die Amsterdamer sind die Verlotterung ihrer Stadt langsam leid und verkrachen sich immer häufiger mit Hundefreunden unter ihren Nachbarn. Man glaubt auch nicht mehr daran, daß es Glück bringt, wenn man in einen Hundehaufen tritt. Das ist schon Hunderttausenden widerfahren, ohne daß an den Ufern der Amstel größere Glückseligkeit herrscht als anderenorts, im Gegenteil: Handelskammer und Verkehrsverein warnen: Der Hund ist kein Glücksschwein, sondern er verdirbt hinterrücks das internationale Touristengeschäft der Stadt. G. V.