Schreie und Posen

„Purple Rain“ von Albert Magnoli. Der überhebliche Verriß böte sich förmlich an: Die Geschichte des Sängers Kid, der aus einem zerrütteten Elternhaus kommt, deshalb nach Erfolg und Selbstbestätigung giert, hart und kalt ist, noch nie in seinem Leben jemanden geholfen hat und einen gemeinen Mongolen-Schnurrbart trägt, strotzt in einem phantastischen Maße vor inhaltlichen und filmischen Klischees – und von einem Musikfilm eben nicht anders zu erwarten. Aber so einfach ist das nicht. Hauptdarsteller Prince, der genialische amerikanische Macho-Popstar, verleiht „Purple Rain“ durch seine Musik und vor allem durch seine intensive körperliche Präsenz erotische Kraft und ungewollte Symbolik. Im Leben ist Kid ein wortkarger, meistens depressiver Schmollmund, der Plattenspieler und Cassettenrecorder immer dann lauter stellt, wenn die Eltern sich mal wieder streiten. Mehr als ein paar belanglose Sätze bringt er nie heraus, seiner Freundin gibt er Zuckerbrot und Peitsche – aus Verklemmtheit und der Unfähigkeit heraus, Gefühlsregungen anders als durch Schläge oder Sex zu zeigen. Kaum aber betritt er die Bühne, blüht er auf, verwandelt sich in einen selbstsicheren, bösen, ehrlichen Dämon, der bei exzessiven Gitarrensoli, wilden Schreien und Posen, choreographisch perfekt einstudierten Tanzbewegungen sein Innerstes nach außen kehrt und so zu seiner Geliebten, seinen Freunden und Feinden, Mutter und Vater spricht. Und sofort verstehen ihn alle, beugen sich seinem Willen wie hypnotisiert. Er klagt die Welt an, die er haßliebt wie jeder andere Mensch auch, und sucht sie in den schwarzweiß-Kategorien einer Soapopera zu verändern. Da läuft es einem manchmal eiskalt über den Rücken. Doch die sinnliche Faszination, die in solchen Momenten von dem Sänger ausgeht, bleibt nicht auf der Leinwand haften. Sie überträgt sich auf den Zuschauer, und der ist im Schnitt zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig. Gebannt liest er in den Untertiteln die Übersetzungen der Songtexte mit. „Ich bin dein Messias und du der Grund dafür“, singt Kid, der durch seine Sprachlosigkeit im Alltag auf der einen Seite und seine dumpfe Offenheit in der monotonen, ungebildeten Rhythmuswelt der Popmusik auf der anderen unübertroffen die Reduzierung der heutigen Jugendkultur auf Musik und Kleidung symbolisiert. Nicht verachten sollte man diesen Film, sondern mit Argwohn und Sorgfalt unter die Lupe nehmen: Er ist ein

Sehenswerte Filme

„Cotton Club“ von Francis Ford Coppola. „Schiff der Träume“ von Federico Fellini. „Amadeus“ von Milos Foreman. „Unter dem Vulkan“ von John Huston. „Stranger than Paradise“ von Jim Jarmusch. „The Killing Fields – Schreiendes Land“ von Ronald Joffé. „Paris, Texas“ von Wim Wenders. „Liebe und Anarchie“ von Lina Wertmüller.