Ein weiter Weg vom Franz-Schneider-Buch, das jahrzehntelang am Geschmack eines Millionenpublikums orientiert blieb, bis zur Krimireihe der achtziger Jahre, die Jo Pestum herausgibt. Vom Klischee der Lektüren à la Blyton bis zur realitätsbezogenen kritischen Story vom frustrierten jungen Arbeitslosen, der auf Abwege gerät.

Das vorliegende Buch hat der Herausgeber, freier Schriftsteller, Film-, Funk- und Fernsehautor, selbst geschrieben –

Jo Pestum: „Nur große Fische für den Joker“; Verlag Franz Schneider, München; 182 S., 12,80 DM.

Den Inhalt von Krimis zu erzählen, ist in zweifacher Hinsicht unfair: dem potentiellen Leser gegenüber, dem man die Spannung stiehlt, und dem Autor gegenüber, weil mit Kenntnis des Inhalts die Lust am Kaufen schwindet. Darum nur soviel:

Hintergrund, Story und Personen sind die Leute von nebenan, Leute, die jeder kennt. Der Kommissar eine Mischung aus Schimanski und dessen Assistenten. Und die Tendenz der Kriminalgeschichte ist hoch zu loben. Es geht um die sukzessive Vernichtung der Umwelt und den ebenso verbissenen wie ohnmächtigen Kampf weniger Einsichtiger, die sich gegen diesen Schrecken ohne Ende wehren.

Belehrende Töne sind dabei manchmal unüberlesbar. Aber was tut es: spannend ist der Krimi ohne Frage. Und besser ein Tropfen Moralin an die Adresse der Leser als eine Schiffsladung PCB in die Ostsee. Besser eine gut verpackte Aufforderung zur kritischen Aktivität als die nackte Herausforderung des Gewalttätigen im Menschen. Vom letzteren gibt es mehr als genug auf dem Büchermarkt, der sich an primitive Lesebedürfnisse bequem anpaßt. Ersteres ist rar und mit Nachdruck zu empfehlen. Gert Haucke