Vor genau vier Jahren war er Vorstandschef bei Hertie geworden – jetzt warf Bruno Lippmann (56) ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages das Handtuch: Das für Lippmann so wichtige Vertrauensverhältnis zu Konzernherr Hans Georg Karg scheint so zerstört, daß er wohl einem Rausschmiß zuvorkam.

Lippmann, der allzu oft glücklos agierte, hat gleichwohl beim drittgrößten Warenhauskonzern einige wichtige Weichen gestellt. So verpaßte er dem verlustreichen Frankfurter Konzern das dringend notwendige betriebswirtschaftliche Instrumentarium, um Verlust- und Gewinnquellen zu orten und auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Mit rigorosen Sparprogrammen drückte der die Personalkosten – ohne indes schon an vergleichbare Zahlen der Konkurrenten heranzukommen. Und er hat sich eine junge, kompetente Vorstandsmannschaft zusammengeholt.

Das vergangene Jahr, schwierig für alle Wahrenhauskonzerne, scheint indes bei Hertie besonders schlecht ausgefallen zu sein. Das Hamburger Managermagazin nannte Verluste in Höhe von 80 bis 100 Millionen Mark – nicht gerade ein Erfolgsnachweis für den Warenhauschef. So sind denn wohl auch wichtige Aufsichtsratsmitglieder von ihrem ersten Mann im Vorstand abgerückt: Kommenden Montag wird der Aufsichtsrat über Lippmanns vorzeitigen Abgang zu entscheiden haben. Überraschungen sind da nicht zu erwarten.

*

Fast 33 000 Lokomotiven hat das Kasseler Traditionsunternehmen Henschel in den 175 Jahren seiner Geschichte gebaut. Berücksichtigt man, daß der Lokomotivbau nicht schon bei der Gründung im Jahre 1810, sondern erst 1848 aufgenommen wurde, dann sind das im Jahresdurchschnit 240 Stück. Doch davon kann das Unternehmen, das jetzt unter dem Namen Thyssen Henschel zur Thyssen Industrie AG gehört, derzeit nur träumen: Mit 100 bis 120 Stück hat man sich in den letzten Jahren zufriedengeben müssen.

Zu einem erheblichen Teil ist diese Baisse auf die schleppende Bestelltätigkeit der Deutschen Bundesbann zurückzuführen, deren Anteil am Lokomotivgeschäft nur noch fünf Prozent beträgt. Aber da hofft man auf Änderung, auf einen „Wandel der Bahn vom Hoheitsträger zu einem marktorientierten Dienstleistungsunternehmen“, wie es Thyssen-Henschel-Vorstandsmitglied Hans-Richard Hippenstiel formulierte.

Vorerst hat die Bundesbahn aber nur 36 Lokomotiven des neuen Typs E 120 bei den drei deutschen Herstellerfirmen – Henschel, Krauss-Maffei und Krupp – bestellt, für weitere 24 Loks gibt es Optionen. Das Schwergewicht des Geschäfts wird freilich auch weiterhin im Ausland liegen. Aber man braucht die Bundesbahn als Referenz.