Iranischer Terrorismus

Von Hans Jakob Ginsburg

In der Halle des Teheraner „Ministeriums für isamische Führung“ erkennt der überraschte Besucher im Muster des Steinfußbodens, gleich am Eingang, die amerikanische, die britische und die israelische Flagge. Doch die Vermutung täuscht, es handele sich um ein Relikt aus der Zeit des Schah. Die islamischen Revolutionäre selbst haben die Flaggen in den Fußboden eingelassen, damit jeder, der das Amtsgebäude aufsucht, die Symbole der Feindstaaten mit Füßen tritt.

Das Führungsministerium (Erschad) steuert die gleichgeschalteten Zeitungen und Rundfunksender des Landes und seine (nicht sehr erfolgreiche) Auslandspropaganda in der muslimischen Welt. Ein mächtiges Propagandaministerium braucht das Regime der Mullahs nicht. Sein wichtigstes Agitationsinstrument ist die politisch-religiöse Predigt am Freitag, dem islamischen Sonntag. Die Freitagsprediger, zu denen die höchsten politischen und religiösen Funktionäre gehören, holen sich ihre Instruktionen nicht in dem Haus mit den kuriosen Flaggen-Fayencen, sondern allenfalls beim Imam persönlich, bei Ajatollah Chomeini.

Am 26. Mai 1984 bewies der Hausherr des Ministeriums, der Hodschatulislam Mohammed Chatami, daß er für Wichtigeres zuständig ist als für propagandistische Mätzchen. Auf Einladung des Ministers trafen sich zwölf Spitzenfunktionäre des Regimes zu einer streng geheimen Sitzung. Einziges Thema: „Errichtung einer unabhängigen Brigade zur Durchführung unkonventioneller Kriegsführung auf feindlichem Territorium“, klarer gesagt: die Vorbereitung von Terroranschlägen im feindlichen Ausland.

Den Islam ausbreiten

Chatami trug seinen Gästen einen Befehl des Imam Chomeini vor. „Seit dem Beginn unserer Revolution“, so zitierte der Minister den Revolutionsführer, „hatten wir viele Feinde, auch wenn wir von den Muslimen anderes erwarteten. Leider sind alle Herrscher der islamischen Länder Knechte von Fremden. Statt von unserem Rat zu lernen ... haben sie den Weg der Feindschaft gewählt ... haben dementsprechend alle Gesetze und Traditionen des Koran mit Füßen getreten und das gesamte islamische Erbe den Fremden überlassen. Allen voran begann Saddam (gemeint ist der irakische Präsident Saddam Hussein), den Islam zu bekämpfen. Obwohl er seinem Ende entgegengeht, haben sich jene armen Kerle mit ihm verbündet – damit meine ich die reaktionären arabischen Herrscher, die sich für die Hüter der heiligen Stätten halten (die Saudis), und andere, Kuwait und so weiter. Diese Menschen glauben, daß sie, weil die Russen und die Amerikaner ihre Herren sind, mit mächtigen Gewehren und Panzern gegen die iranische Nation bestehen können ... Wir müssen den Islam überall ausbreiten. Auf diesem Weg haben wir viel Blut geopfert, und wir werden mehr opfern, bis mit Gottes Hilfe der Islam siegt ... Alles, was nötig ist, um jene zu zerstören, soll getan werden. Für Gespräche und gute Ratschläge ist die Zeit vorbei.“