Der derzeitige Zustand der Europäischen Gemeinschaft fördert wehmütige Erinnerungen an die Jahre, in denen eine Einigung der Europäer möglich schien und Politiker mit Überzeugung europäische Träume verkünden konnten. Einer von ihnen war Robert Schuman, französischer Außenminister von 1948 bis 1953 und einer der europäischen Gründerväter. Ihm hat Rudolf Mittendorfer seine Dissertation gewidmet, die als Buch erschien:

Rudolf Mittendorfer: „Robert Schuman – Architekt des neuen Europa“; Georg Olms Verlag, Hildesheim 1983; 555 S., 68,– DM.

Gerade die Deutschen haben allen Grund, sich des großen Europäers dankbar zu erinnern. Schließlich war er es, der im Gegensatz zu vielen seiner Landsleute, denen an einem ohnmächtigen, kontrollierten „Erbfeind“ gelegen war, schon bald nach dem Krieg auf eine gleichberechtigte Teilnahme Westdeutschlands an der Reorganisation Europas drängte. Mittendorfer untersucht ausführlich Schumans entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die zum Grundstock der heutigen EG werden sollte. Weniger Glück war dem Lothringer bei seinen Bemühungen um die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) beschieden, in der vom „europäischen Geist“ beflügelte Offiziere und Soldaten dienen sollten. Auf der „zweiten Etappe“ zur Vereinigung Europas scheiterte Schuman an nationalen Vorbehalten, die eine gemeinsame Zukunft der Europäer bis heute verdüstern. -l