In Washington ist der Wahnsinn ausgebrochen: 3,45 Mark für einen Dollar (vor knapp einem Jahr 2,54 Mark; 1980 am Tiefpunkt 1,70 Mark, also die Hälfte). Als wichtigstes Wirtschaftsland der Welt können die USA mit ihrer Währung nicht machen, was sie wollen – wenn man sie ernst nehmen soll. Ein großes und starkes Land kann den Wert seines Geldes stabil halten.

Tatsächlich aber haben die USA schon zweimal Konkurs gemacht. Nach der Vereinbarung von Bretton Woods hatten sie sich 1945 verpflichtet, jeden in der Welt umlaufenden Dollar in Gold zu festen Preisen einzulösen. Für 34 Dollar gab es eine Feinunze Gold, rund 31 Gramm. Diese Pflicht haben sie 1971 gebrochen, indem sie die Goldeinlösungspflicht ersatzlos strichen. Schon in den sechziger Jahren haben sie die Bundesrepublik (gegen die Zusage, den Dollar stabil zu halten) veranlaßt, keine Dollarguthaben in Gold umzutauschen, das Geld vielmehr in amerikanischen Staatspapieren anzulegen. Wir hielten unsere Zusage; der Dollar stürzte trotzdem auf 1,70 Mark.

Jetzt bleibt den übrigen westlichen Industrieländern nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Wir sollten

  • den Diskont um ein Prozent erhöhen. Das würde einiges Geld in die Bundesrepublik locken. Die Mark wird dann aufwertungsverdächtig; manche bisherige Flucht in den Dollar wird dann in die Mark gehen.
  • Die Bundesbank hat etwa 25 Milliarden Dollar. Davon sollte sie sogleich 20 Milliarden verkaufen. Wir brauchen keinen Dollarvorrat; weil wir dem Ausland mehr verkaufen, als wir importieren (oder sonst ausgeben, etwa für Reisen, Lizenzen). So haben wir laufend einen Überschuß an Dollar. Wenn verrückte Spekulanten den Dollarkurs hochtreiben und Washington tatenlos zusieht, sollten wir zu Höchstkursen Kasse machen.
  • Wir sollten nicht die Einfuhren beschränken, wohl aber eine bestimmte Einfuhr: Rohöl, das in Dollar bezahlt werden muß. Für sechs Monate sollte Benzin an der Zapfsäule mit zusätzlichen zehn Pfennig belastet werden. Das Publikum wird, genau über die Gründe aufgeklärt, Verständnis haben.
  • Aus dem gleichen Grunde sollte der Bund einen Teil des für Krisenfälle eingelagerten Öls freigeben. Dann nehmen die Ölstaaten weniger Dollar ein, und sie können weniger Dollar nach USA verlegen; das wird den Dollarkurs drücken.

Die Deutsche Bundesbank und ihr Präsident Pöhl sind bei ihrer Wortwahl vorsichtig. Ich weiß aber: Dort spricht man von einer Lage wie 1928; also vor dem Zusammenbruch in der Weltwirtschaftskrise. Diese Katastrophe ist durchaus noch abwendbar.

Das ist für uns kein Zuckerschlecken. Hohe Zinsen wirken sich gerade für den Bürger mittleren Einkommens aus: Der Bau einer Sozialwohnung von hundert Quadratmetern kostet etwa 200 000 Mark. Mit zehn Prozent Hypothekengeld finanziert kostet das 20 000 Mark jährlich, also knapp 1700 Mark im Monat. Bei sechs Prozent, wie es eigentlich sein müßte, wären es nur 12 000 Mark jährlich, also tausend Mark im Monat. Differenz: 700 Mark im Monat.

Weil die Amerikaner auf Pump leben, müssen wir hohe Zinsen zahlen: Folge wie oben.