Von Erika Martens

Fast täglich laufen sie jetzt über den Ticker der Nachrichtenagenturen: die Meldungen über die neue Arbeitszeit in den Betrieben der Metallindustrie. Meist sind es Siegesmeldungen der Gewerkschaft, die sich mit jeder Vereinbarung einen Schritt näher an ihrem Ziel sieht – die 38,5-Stunden-Woche für alle Beschäftigten.

Weit zurückhaltender ist dagegen die Öffentlichkeitsarbeit der Arbeitgeber. Dieter Kirchner, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, verriet der ZEIT kürzlich sogar, daß sein Verband auf eine Bilanz völlig verzichten wolle. Selbst zum 1. April, dem Stichtag für die Umsetzung des hart umkämpften Kompromisses vom Sommer letzten Jahres, will Kirchner keine Zahlen vorlegen.

Solche Zurückhaltung ist sonst nicht eben die hervorstechende Eigenschaft des Arbeitgeberfunktionärs. Da liegt der Schluß nahe, daß die Bilanz den Arbeitgebern nicht gerade zum Ruhme gereichen würde, denn ihr Konzept zur Flexibilisierung der Arbeitszeit scheint auch vielen Personalchefs nicht einzuleuchten. Ein Schluß, der durch die – unwidersprochenen – Zahlen der IG Metall gestützt wird.

Nach der jüngsten gewerkschaftlichen Statistik haben bisher 158 Betriebe mit insgesamt rund 121 000 Beschäftigten Vereinbarungen über die generelle 38,5-Stunden-Woche beschlossen. Weit höher sind die Zahlen, rechnet man die Betriebe mit dazu, die für den größten Teil ihrer Beschäftigten die 38,5-Stunden-Woche einführen wollen, bestimmte Gruppen jedoch darüber und darunter ansiedeln.

Dazu gehören vor allem die Großen der Branche, beispielsweise die Daimler-Benz AG, die als erste Autofirma im Arbeitgeberverband Betriebsvereinbarungen für ihre insgesamt rund 140 000 Beschäftigten unterschrieb. Die Bilanz: Für etwa 84 Prozent der Mitarbeiter gilt vom 1. April an die 38,5-Stunden-Woche, Führungskräfte bis hin zum Meister arbeiten wie bisher vierzig Stunden pro Woche, gerade Ausgelernte und Freiwillige schaffen nur noch 37 Stunden.

Bei BMW einigten sich Betriebsrat und Firmenleitung auf eine ähnliche Lösung. Rund neunzig Prozent der vom Tarifvertrag erfaßten BMW-Mitarbeiter können künftig ihre Arbeitszeit auf 38,5 Stunden pro Woche reduzieren. Spezialisten bleiben allerdings bei der 40-Stunden-Woche.