Zunächst liest man eine gar nicht so ungewöhnliche Schulgeschicnte: Streitereien, Cliquenbildung, erste, scheue Freundschaften; Lehrer, Eltern, Schüler treten auf und spielen ihre Parts. Die Erzählperspektive ist weitgehend unbeteiligt, sachlich, filmisch: Wir erleben, was die Kamera sähe, hören (viele) Dialoge, springen in scharfen Schnitten durch parallel geführte Handlungen, lesen eine routiniert und spannend entwickelte, im Stil ein wenig glatte und in der Diktion (Übersetzung?) manchmal etwas altväterliche Geschichte.

Aber dann wird das neue Buch von –

Aidan Chambers: „Wer stoppt Melanie Prosser?“, aus dem Englischen von Hans J. Schütz; Arena Verlag, Würzburg; 160 S., 16,80 DM

doch zu einem kleinen Drama, zu einer Beispielerzählung.

Das Drama: Melanie Prosser (12), Tochter eines Bauunternehmers, tyrannisiert mit zwei Vasallinnen die Schüler ihrer Klasse. Immer einzeln, immer hinterfotzig und so, daß man ihr von Lehrerseite nichts nachweisen kann.

Jüngstes Opfer: Lucy Hall (11). Ihr gutes Verhältnis zu Vater und Mutter erregt unbewußt Melanies Neid, die zu Hause eher Kälte und Brutalo-Ton gewohnt ist. „Papas Liebling“ Lucy wird von ihrem Geburtstag an von der „Bande“ erpreßt.

Sehr überzeugend und mit unausweichlicher Konsequenz spitzt Chambers den Konflikt zu, bis er beinahe seine schlimmstmögliche Wendung nimmt: Melanie zwingt Lucy zum Kaufhausdiebstahl.