Von Hermann Bößenecker

Wie das Schicksal so spielt: Die Flugtriebwerke von BMW, die einst an der Wiege des Münchner Autounternehmens standen, sind nun, nach einem Vierteljahrhundert, auf dem Umweg über die MAN beim großen Konkurrenten der Münchner Autobauer, bei der Daimler-Benz AG in Stuttgart gelandet. Das ist, auf einen kurzen Nenner gebracht, das Ergebnis der Transaktion, die Ende letzter Woche in der deutschen Industrie für Aufsehen sorgte.

Die in den vergangenen drei Jahren von einer schweren Existenzkrise heimgesuchte MAN Maschinenfabrik in Augsburg, muß ihren kostbarsten Beteiligungsbesitz, fünfzig Prozent an der international renommierten MTU Motoren- und Turbinen-Union München/Friedrichshafen, an die dort bisher ebenfalls mit der Hälfte engagierte Daimler-Benz AG verkaufen. Die reiche schwäbische Nobelfirma ist bei diesem Deal der lachende Dritte.

Für schätzungsweise 650 Millionen Mark wird sie Alleinbesitzer des sechstgrößten Flugtriebwerkherstellers der westlichen Welt, der über zahlreiche Kooperationsprojekte an den meisten internationalen Programmen beteiligt ist. Damit stimmt, so philosophiert man in Untertürkheim freudig, die Symbolik des dreizackigen Mercedes-Sterns wieder: „Zu Lande, zu Wasser und in der Luft.“

Auch Daimler knüpft damit an eine alte Tradition an, die allerdings nach dem Krieg nicht weitergeführt worden ist. Denn früher wurden auch Daimler-Motoren für Zeppeline und Flugzeuge produziert.

Die 1969 gegründete MTU hat einen vielgliedrigen Stammbaum. Die wichtigste Linie führt zu der 1916 entstandenen Bayerische Motoren Werke AG, deren Keimzelle der Flugmotorenbau war. Automobile kamen erst später dazu. 1934 wurde dann die BMW Flugmotoren GmbH aus der Stammfirma ausgegliedert, um auf diese Weise den Einfluß des damaligen NS-Staates zu begrenzen. Nach dem Krieg fand BMW zwar im Autogeschäft nur spät und mühsam den Anschluß, auf die Flugtriebwerke wollte man aber nicht verzichten. So wurde, als den Deutschen die Luftfahrt wieder erlaubt war, die Tochterfirma wiederbelebt. 1957 trat sie als BMW Triebwerkbau neu in Aktion.

Obwohl ihre Aktivitäten zunächst nur sehr bescheiden waren, wurde sie doch zu einer Art Rettungsanker für BMW, als das Autounternehmen mit viel zu teuer produzierten Komfortkutschen und nicht mehr zeitgemäßen Motorcoupes 1959 in einer schweren Krise steckte. Es war damals schon beschlossene Sache, daß die weißblaue Fabrik unter die Fittiche von Daimler-Benz kommen, eine Filiale von Untertürkheim werden sollte.