Zur Kriegserklärung fehlte nur noch der Befehl zum Einmarsch: Was der amerikanische Präsident Reagan und sein Außenminister Shultz in den vergangenen zehn Tagen gegenüber Nicaragua äußerten, weist eine bedrohliche neue Qualität auf. Die Sandinisten in Managua sollen nicht mehr nur eingeschüchtert werden; der Präsident und sein Minister verlangen jetzt die Kapitulation vor den inneren und äußeren Hürden, die Selbst-Aufgabe und damit die Selbst-Beseitigung der Revolutionäre.

Mag sein, daß der große Donner in erster Linie einen widerspenstigen Kongreß bewegen soll, der Finanzierung der Contras wieder zuzustimmen. Mag sein, daß Reagan – von aller Rücksicht auf Wiederwahl befreit – ernsthaft glaubt, ein kleines Land und damit ganz Mittelamerika vor dem Kommunismus bewahren zu müssen. Aber die Methode, die er gewählt hat, wird das schwäche und arme Nicaragua Hilfe genau bei der Weltmacht suchen lassen, die doch aus dem Hinterhof der Vereinigten Staaten verbannt bleiben soll.

Und jenseits dieser Überlegung vergißt Washington, daß es in Nicaragua mit Füßen tritt, was amerikanische Politik verteidigen will: die Unabhängigkeit eines souveränen Staates, der dieses Recht nicht deshalb schon verwirkt hat, weil seine Politik – wen nimmt es Wunder? – dem großen Nachbarn nicht gefällt. H. B.