Trotz mancherlei Verstimmungen zwischen Vatikan und Kreml suchten der Papst und Außenminister Gromyko bei dessen Rom-Besuch das Gespräch.

Audienzen beim Papst kommen zwar nie auf dessen Initiative zustande, stets nur auf Bitte des Besuchers, die bei Politikern von Rang nie abgelehnt wird. Aber Gromyko und Johannes Paul II., jeder nicht sicher, ob der andere ihn sehen wollte, hatten einander für ihre Begegnung erst Tage vorher durch diskrete Sondierung Interesse signalisieren lassen. Denn seit Gromykos erstem Besuch beim polnischen Pontifex im Januar 1979 wird der ohnehin schwierige Dialog zwischen der politischen und der geistlichen Supermacht mehr denn je vom altrussischen Verdacht belastet, daß alles Katholische polnisch und somit ein Sicherheitsrisiko für das Imperium sei.

Seit Moskau, verschreckt durch die Polenreisen des Papstes und ihre Folgen, sogar eine Litauen-Reise seines Kardinal-Staatssekretärs Casaroli verweigerte, und die römische Glaubenskongregation kommunistische Regime als „Schande des Jahrhunderts“ bezeichnete, mehrten sich Zeichen von Polemik. Aber es gab auch Gesten der Besänftigung: Wenige Tage, nachdem das Parteiblatt Sowietlitauens den Papst als „klerikalen Extremisten“ beschimpft hatte, durfte der Vorsitzende der litauischen Bischofskonferenz, Po-, vilonis, Ende September 1984 nach Rom reisen. Im November genehmigte Moskau dem Vatikan eine Bischofsernennung in Litauen, dekorierte im Dezember den lettischen Kardinal Vaivods mit einer Friedensmedaille und – ließ die Prawda gegen den „Rechtsruck in der Vatikanspitze“ wettern.

Gromyko, der sich schon bei seinen früheren Besuchen im Vatikan als „nicht zuständig“ für Kirchenfragen erklärte, konnte auch jetzt auf internationale Probleme ausweichen. Ein Stichwort dazu lieferte jüngst der Vatikan selbst: 27 Professoren, darunter vier sowjetische, tagten im Januar auf Einladung der „Päpstlichen Akademie der Wissenschaften“ im Vatikan und verfaßten ein kritisches Dokument zum amerikanischen Projekt der Weltraumbewaffnung. Es dürfte Gromykos Meinung (in seiner Autobiographie) bestätigen, daß er „trotz ideologischer Differenzen eine gemeinsame Sprache in Friedensfragen“ mit den Päpsten, auch dem polnischen, gefunden habe. Und beim heiklen Punkt der Religionsfreiheit orientiert sich auch Papst Wojtyla meist an jener hohen Schule vatikanischer Diplomatie, der Ungarns Kirchenminister Miklos einmal bescheinigte, man könne von ihr lernen, „unangenehme Dinge zu sagen, ohne zu beleidigen“.

Hansjakob Stehle (Rom)