Über „verklemmte Feministinnen“ spottete Heiner Geißler noch vor einiger Zeit. Aber das letzte Wort des CDU-Generalsekretärs zur Frauenbewegung blieb das nicht. Zu ihrer Freude, so bescheinigte ihm die junge Autorin Herrad Schenk, die sich selbst eine Feministin nennt, habe sie in den Leitsätzen zur Frauenpolitik für den CDU-Parteitag „einiges wiedergefunden, was wir als Feministinnen Anfang der 70er Jahre gefordert haben“.

„Abschied von der Männergesellschaft? Frauen und Männer auf dem Weg zur neuen Partnerschaft“, nannte sich ein Diskussionsforum im Adenauer-Haus, das von solchen wundersamen Wandlungen handelte. Die CDU, meinte Herrad Schenk trocken, entdecke, daß junge Frauen sich nicht nur an das Haus binden oder dorthin komplimentieren lassen wollen. Bei Frauen unter 35 Jahren gebe es, demoskopisch betrachtet, schon eine „rot-grüne“ Mehrheit.

Ein Partei-General, der das übersieht, wäre sein Geld nicht wert, kann man hinzufügen. Es ist ja nichts Illegitimes daran. Die anderen Parteien haben diese Entdeckung nur früher gemacht.

Skepsis blieb bei einem Teil der Frauen, ob ihnen nur aus diesem Grund „Verbalschleifen“ geflochten würden – ohne Konsequenzen. Das Erziehungsgeld (600 Mark für junge Mütter oder Väter für ein Janr, mit Arbeitsplatzgarantie) fanden die meisten von ihnen richtig – ob es so kommt, steht auf einem anderen Blatt. Nur mit garantierter Rückkehrmöglichkeit auf den Arbeitsplatz mache es Sinn, beharrte Geißler. Darüber sei mit den Leuten, „die es letztlich bezahlen sollen, nicht ausgiebig genug gesprochen worden“, klagte Angelika Pohlenz, Prokuristin bei der Deutschen Bank.

Fragt Frauen, die mit Politikern leben, so lautete eine naheliegende Empfehlung, ob sie zu Hause die Familie vorfänden, „die in den Leitsätzen für möglich gehalten wird“. Wenig Respekt, ja Verachtung empfinde sie für Männer, funkte Valeska von Roques (Der Spiegel) erfrischend dazwischen, die ihre Familie als „privaten Hotelbetrieb benutzen“ – das sei aber „eine verbreitete Verhaltensweise auch in hohen und höchsten Ämtern in diesem unserem Lande“.

Es gehe nicht um schöne Worte und Bewußtseinsänderung, sondern um eine „Neuverteilung von Macht“. Mit dem Sexismus in Kinderbüchern fange die falsche Erziehung schon an. Entfernt ähnlich auch eine CDU-Frau: Gleichberechtigung müsse gelebt werden. Man könne schlecht den .Kleinen’ etwas empfehlen, was die ,Großen‘ nie praktizieren“. Gemeint waren: die männlichen Politiker. Also fast alle.

Zu weit, so klangen manche Bedenken auch von Frauenseite, dürfe die „Angleichung“ der Geschlechter oder der „Rollentausch“ auch wieder nicht gehen. Diese Skepsis hat die FAZ schon zu Händeringen und dem Männer-Seufzer veranlaßt, nun reite auch schon die CDU auf der „emanzipatorisch-hedonistischen“ Grundwelle. Welchen verbalen Mittelweg auch immer die Volkspartei CDU am Ende steuert: Eine Nase für Mehrheiten hat sie. Und richtig erkannt hat sie auch, daß es für sie besonders viel Nachholbedarf gibt.

Bis die „Hälfte der Ministersessel“, wie Herrad Schenk empfahl, von Frauen besetzt ist, werden allerdings noch ein paar Jährchen vergehen. Es wäre ja aus Sicht der Unions-Frauen schon viel, wenn Heiner Geißlers Nachfolger im Amt des Familienministers eine Frau würde. Gunter Hofman