Von Udo Seifert-Fauti

Unruhig rutschen meine Mitreisenden in ihren engen Sesseln herum. Gleich, nur noch wenige Minuten entfernt, wird es wieder soweit sein. Das Gefühl, das erfahrene Schottland-Reisende erfaßt, wird sich breitmachen. Rundgerechnet sind es 45 Minuten Flugzeit von London, bis ein Rütteln durch die Maschine geht und der Flugkapitän trocken verkündet: „You’re crossing the Scottish border!“

Dann sind es nur noch 15 Minuten, bis man endlich „back home“ in Edinburgh ist. „You’re smelling the Scottish air?“ fragt mich mein Sesselnachbar ohne einen Anflug von Zweifel. Sie riecht anders, stimmt, aber das liegt am ersten Abendwhisky, der rechtzeitig zur Überquerung genossen wird.

„Yür dreivin düünttün?“ fragt die Bodenstewardeß im schönsten Lowland-Scnottisch und macht damit klar, daß niemand hier über seinen Akzent und schon gar nicht über sein Nationalgefühl mit sich diskutieren läßt.

Weil der Airportbus in London ebenso wie der Stadtbus rot ist, ist er in Edinburgh weiß und kostet mit 1,15 Pfund auch erheblich weniger. Der Airportbus ist für erste Eindrücke wirklich zu empfehlen. Er fährt gut eine Dreiviertelstunde durch die Vororte.

Um das Kennenlernen zu erleichtern, sollte man die Schotten immer bei ihrer größten „Sünde“ packen. Ein Bier in einem der West-End-Pubs hilft, erste Schranken zu überwinden. Guinness wird gerade noch akzeptiert, englisches Bier ruft Stirnrunzeln hervor, das nur durch ein Pint schottischen Bieres wieder verschwinden kann. Hilfestellung zur Unterscheidung: Die Namen aller Edinburgher Brauereien fangen mit „Mac“ an.

Diskutieren Sie nie mit einem Edinburgher, solange Sie noch nicht die wahre „Scottish Experience“ hinter sich gebracht haben. Ebenfalls im West End, unweit der Pubs und des Prachtbaus des „Caledonian Hotels“, firmiert seit einigen Jahren unter diesem Namen eine eindrucksvolle Multivisionsshow, in der Erstbesucher miterleben können, wie Edinburgh entstanden ist. Blitzgewitter, Donnergrollen, Lavaströme – plötzlich erhebt sich ein Hügel, der noch heute gerade 50 Meter weiter in natura bewundert werden kann. Er trägt das Wahrzeichen, das Herzstück der Stadt und des Landes: The Castle!