Der Geruch von vergammelndem Kohl hängt über dem Land, wenn man sich via Dinan, Ploermel und Vannes über die Landstraßen kämpft, um in Carnac die weltberühmten „Alignements“ zu bestaunen. Nahezu alleine stapft man zwischen dem Heer von granitenen Felsblöcken hindurch, die‚ in zwölf Reihen nebeneinander aufgestellt, Mythos und Rätsel, Gläubigkeit und Angst vermitteln. Die Rufe der wenigen Besucher verlieren sich in der Weite des Geländes. Gleich daneben pflügt ein Bauer sein Feld.

Streitlustig stoßen ganze Schwärme von Möwen in die frischgezogenen Furchen hinab. Ihr Gekeife und das Tuckern des Diesels stören die geisterhafte Ruhe. Kaum senkt sich die Sonne, beginnt man zu frieren. Während der Rückfahrt färbt sich der Himmel karmesinrot, Bäume und Scheunen recken sich schwarz und schroff dem Firmament entgegen. Der Nebel wabert über den Boden, glimmt auf im Scheinwerferlicht. Ein Fuchs, eine Henne im blutigen Maul, huscht in den Watteteppich.

Bernd Späth