Von der CDU zu den Republikanern: Trostloser Zustand
Wie sich die CDU-Opposition selbst umbringt
Bremerhaven
Was wäre eine CDU ohne C D und U? Unchristlich, undemokratisch und uneins. Eine solche Un-CDU gibt es in Bremerhaven. Sie trägt zwar noch den Namen der bekannten Volkspartei, hat aber in den vergangenen sieben Jahren den politischen Gegner zusehends aus dem Blickfeld verloren und widmet sich seit anderthalb Jahren nur noch einer einzigen Beschäftigung: sich selbst zu zerfleischen.
Am Sonnabend vor zwei Wochen erlebte ihre Agonie den vorläufigen Höhepunkt. Sieben der 18 Bremerhavener CDU-Stadtverordneten versammelten sich in der Gaststätte „Phönix“, um – vor den Kameras der eingeladenen Journalisten – demonstrativ ihre Mitgliedsausweise wegzuwerfen. Auf 12 Uhr mittags hatten sie ihre Aktion angesetzt – high noon in Bremerhaven.
Wie konnte es dazu kommen? Grob gesagt: Zwei Gruppen streiten sich in Bremerhaven. Die eine hat sich um den Vorsitzenden der CDU-Rathausfraktion, Rudolf Polley, formiert. Zu ihr zählen die sieben ausgetretenen Stadtverordneten. Die andere Gruppe hat sich um den Vorsitzenden des größten CDU-Stadtbezirksverbandes Geestemünde, Michael Teiser, geschart. Bemerkenswert ist dabei, daß es Streitereien nie über Inhalte gab, nur über Personen. Bei Wahlen hat die CDU in den letzten Jahren so gleichbleibend wie unbefriedigend abgeschnitten: Sie erhielt stets knapp über 30 Prozent der Stimmen.
Die heiße Phase der Auseinandersetzung begann vor anderthalb Jahren, als bekannt wurde, daß der Schatzmeister der CDU eine Berlinreise doppelt abgerechnet hatte: bei der CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft und im Bremerhavener Kreisverband. Michael Teiser soll von der schwarzen Kasse, in der ein Teil des Geldes verschwand, gewußt haben.
Rudolf Polley und seinen Mitstreitern war dies ein willkommener Skandal: die einmalige Chance, Teiser, den Kassenwart und ein paar andere auszuschalten. Mit sieben zu fünf Stimmen beschloß der Kreisvorstand, den Antrag zu stellen, Teiser und den Kassenwart aus der Partei auszuschließen.
Seitdem ist nicht ein Monat vergangen, in dem die CDU in der Bremerhavener Nordsee-Zeitung keine Schlagzeilen gemacht hätte:



