Vor zehn Jahren verließen die Amerikaner fluchtartig Saigon. Letzte Versuche, das Chaos politisch aufzulösen, Hanoi eine neue, „wirklich den Frieden liebende“ Regierung als Verhandlungspartner zu präsentieren, erwiesen sich als Illusion. Im Bombenhagel auf ihre Hauptstadt hörte die Republik Südvietnam auf zu bestehen. Mit den Resten der alten Gesellschaft war kein Staat mehr zu machen. Der Ostasienkorrespondent der ARD erinnert sich.

Von Winfried Scharlau

Noch mehr als die Kommunisten fürchtete Saigon den Krieg. Die Front war nahe herangerückt; am 21. April war die letzte Bastion Xuan Loc gefallen, die den nordvietnamesischen Divisionen von Osten her den Weg in die Hauptstadt versperrt hatte.

Das „Womp-Womp-Womp“ der Artillerie, wie Michael Herr in den Dispatches später lautmalerisch das besondere Geräusch umschreiben würde, war Tag und Nacht zu hören. Aber das „Dit-Dit-Dit“ der Handwaffen war den Bewohnern Saigons mit Ausnahme einiger Tage während der Tet-Offensive 1968 erspart geblieben. Bis jetzt hatten die Saigoner den Krieg überlebt; hatten sogar davon profitiert und die Zutaten einer „Honda-Society“ genossen, die der Krieg jetzt zu zerstören drohte.

Militärisch war der Kampf entschieden. Präsident Thieu und sein Generalstab hatten nach dem Beginn der Frühjahrsoffensive im Bergland, nach dem Verlust von Ban Me Thuot und Kontum einen Rückzug angeordnet, der in Flucht und Chaos eingemündet war.

Nur mehr kleinere Teile einer hochgerüsteten Armee von mehr als einer halben Million Mann mochten sich noch zum Kampf stellen. Die tumultuarische Räumung des Berglandes hat die innere Krise der Armee Saigons nur offenkundig gemacht. Der Kampfgeist der Truppe war schon in den Monaten zuvor zusammengebrochen. Seit Amerika die finanzielle Hilfe reduziert hatte, seit jedermann im Süden begriffen hatte, daß die Vereinigten Staaten Südvietnam nicht unbegrenzt Waffen und Dollarmilliarden verfügbar machten und auch nicht bereitstanden, um im Notfall mit der Luftwaffe und der Armee noch einmal Beistand zu leisten, seit dem Herbst 1974 spätestens wollten die Menschen, Militärs und Zivilisten gleichermaßen nur noch ihre Haut retten, und das vor allem. Die Vietnamesen sahen das Unvermeidliche auf sich zukommen. Anders als die Khmer im keine 300 Kilometer entfernten Phnom Penh, die auch nach der Evakuierung der amerikanischen Botschaft sich Straßenkämpfe bis zum bitteren Ende lieferten, sahen die Vietnamesen in ihrer Mehrheit das Heil in der Flucht. Wer möchte sein Leben riskieren für eine Sache, die verloren war? Das Chaos, das den Untergang Südvietnams begleitete, hatte seine tiefere Ursache in kollektiver Einsicht und Vernunft.

Am Tag, an dem Xuan Loc gefallen war, hatte Nguyen Van Thieu, Staatspräsident der Republik Südvietnam, Garant und Repräsentant der bisherigen Ordnung, seinen Rücktritt erklärt. Am Abend hatte er in einer Fernsehrede seine Verbitterung über Amerika zum Ausdruck gebracht. Dem amerikanischen Außenminister Henry Kissinger warf Thieu vor, nicht erkannt zu haben, daß das von ihm ausgehandelte Vietnam-Abkommen vom Januar 1973 den Süden in den Tod führte. „Jeder erkennt es, doch Kissinger nicht. Die Supermächte haben gemeinsame Interessen. Wir haben nichts zu opfern, außer diesem winzigen Land.“ „Sie verkaufen Vietnam an die Kommunisten“, rief Thieu den Amerikanern zu. „Die unmenschliche Haltung der Vereinigten Staaten ist die Haltung einer Großmacht, die sich ihrer Verantwortung entzieht.“ Präsident Richard Nixon, so sagte Thieu weiter, habe ihm „auf dem Papier zugesagt, bei einem Angriff aus dem Norden seinem Land alle notwendige militärische und wirtschaftliche Hilfe“ zukommen zu lassen. Die Einschränkung der amerikanischen Hilfe sei ein unmenschlicher Akt gewesen und hätte zu dem verheerenden Rückzug und zu Verlusten geführt. „Ich habe nie geglaubt“, sagte Thieu mit Tränen in den Augen, „daß ein Mann wie Henry Kissinger unser Volk einem solch schrecklichen Schicksal ausliefern würde.“

Saigon hörte dem resignierenden Präsidenten mit Rührung zu. Die Emotionen, die er bei diesem letzten Auftritt offenbarte, und die viele ihm gar nicht zugetraut hatten, ließen eine gewisse Sympathie aufkeimen. Vor allem aber schuf sein Entschluß, ins Exil zu gehen, neue Hoffnung auf einen Waffenstillstand. Hanoi und die Nationale Befreiungsfront hatten den Sturz Thieus und seiner „Clique“ zur Vorbedingung für Verhandlungen gemacht. Sogar der amerikanische Kongreß hatte erklärt, solange Thieu an der Regierung sei, werde der Krieg andauern. Nun schien sich ein politischer Ausweg aus der Krise anzubieten. Der 71 Jahre alte bisherige Vizepräsident Tran Van Huong übernahm vorläufig die Führung in Saigon. Der Nachfolger, auch das hatte Thieu noch zur Begründung seines Rücktritts angekündigt, werde einen Waffenstillstand und Verhandlungen anbieten.

Es schien, als hätte Saigon neue Hoffnung geschöpft. Jene, die für die Amerikaner oder eine westliche Botschaft gearbeitet hatten, belagerten von morgens bis abends die Konsularabteilungen, um Visa für sich und ihre Familien zu erhalten. Flucht war die Lösung für eine Minderheit, so sehr die bewegenden Abschiedsszenen vor der Einfahrt zum Flughafen auch das Bild bestimmen mochten. Noch hatten die Amerikaner kein Zeichen gegeben, daß sie zu einer Massenevakuierung bereit seien. Die große Mehrheit der Menschen im Reststaat Südvietnam, der jetzt nur noch aus dem engeren Gebiet um Saigon und den Provinzen im Mekong-Delta bestand, hoffte auf ein Wunder: auf ein geheimnisvolles Signal, das die kommunistische Artillerie, die längst in Reichweite der Stadt Position bezogen hatte, zum Schweigen bringen würde und die Panzer veranlassen könnte, anzuhalten, um den Politikern und Diplomaten das letzte Wort zu überlassen.

Daß Phnom Penh vor wenigen Tagen von den Roten Khmer erobert worden war, daß der Krieg spürbar nähergerückt war, hatte die aufkeimende Hoffnung nicht ersticken können. Furcht vor dem letzten Gefecht ließ die Illusionen blühen. Das Ende von Saigon ist ein Triumph der Illusion.

Das Corps der Journalisten, die ihre Ausfahrten an die Front nun bequem am Vormittag erledigen konnten, weil der Krieg in Hörweite gerückt war, wurde von der amerikanischen Botschaft zu einem Treff in die Dachbar des Hochhaushotels „Caravelle“ gebeten. Statt Informationen über Politik und Kampfgeschehen gab es „geheime“ Anweisungen für den Notfall, für die Evakuierung mit Hubschraubern. Für die Journalisten sei ein Sammelplatz in der Nähe des UPI-Büros vorgesehen, nahe am Flußhafen, von den großen Hotels „Caravelle“, „Continental“ und „Majestic“ rasch zu erreichen. Das Signal, so wurde den Journalisten anvertraut, werde am Tag X durch das Radio vermittelt. Der Sender der amerikanischen Streitkräfte, der „every hour on the hour“ Nachrichten brachte, werde gleich danach im Ernstfall diesen Satz anfügen: „The temperature is 105 degrees and rising“, gefolgt von Bing Crosbys „I am dreaming of a white Christmas“. Dies sei das Signal für die Evakuierung. Man erwarte die Damen und Herren der Presse am Sammelplatz mit höchstens einem Gepäckstück.

Während die Journalisten die Optionen debattierten, in Saigon zu bleiben und den Einmarsch der Vietcong-Truppen zu erleben oder sich ausfliegen zu lassen und mit der Geschichte der Evakuierung ihren Auftrag in Vietnam abzuschließen, ließen die Diplomaten der amerikanischen Botschaft sich Hoffnung machen, daß ein so schmachvolles Ende wie die Evakuierung, die einer Flucht glich, sich würde doch noch vermeiden lassen. Aus zwei Quellen flößen Informationen an Graham Martin, den Chef der amerikanischen Mission, die eine Verhandlungsbereitschaft der kommunistischen Seite suggerierten: aus der ungarischen Gruppe der ICCS, der internationalen Kontrollkommission, und der französischen Botschaft.

Den Kontakt zu den ungarischen Offizieren der ICCS hatte der Chef des CIA in Saigon persönlich geknüpft. Thomas Polgar stammte aus einer ungarischen Familie, die nach Amerika ausgewandert war. Von Landsmann zu Landsmann wurde vertraulich lanciert, Hanoi sei an einer „Laös-Lösung“ interessiert, um Saigon den Straßenkampf zu ersparen. „Laos-Lösung“‚ das war eine neutralistische Regierung, gebildet aus Persönlichkeiten der „Dritten Kraft“, der schwachen und lange verfemten Opposition in Saigon und natürlich der diplomatischen Beihilfe der Sowjetunion, Frankreichs und Großbritanniens.

Die zweite Quelle, die die Informationen des CIA-Chefs zu bestätigen schien, floß aus der französischen Botschaft, in der Jean-Marie Merillon im Geiste de Gaulles sich selbst hatte davon überzeugen können, daß der „Grande Nation“ im Moment der amerikanischen Niederlage noch einmal eine historische Rolle in Indochina zufallen werde. Die Kommunisten, so ließ Merillon die US-Botschaft und einen engeren Kreis von Journalisten, deren Qualifikation der elegante Gebrauch der französischen Sprache war, wissen, bedienten sich französischer Kontakte, um eine „Laos-Lösung“ anzubieten: Entmachtung der „Thieu-Clique“, Installierung einer neutralistischen, friedenswilligen Regierung unter „Big Minh“ und Waffenstillstand vor den Toren Saigons, um einer Vier-Mächte-Konferenz Gelegenheit zu geben, eine politische Neuordnung Südvietnams zu erarbeiten.

Je enger sich der Ring um Saigon schloß, um so verzweifelter wurden die Versuche der Politiker und Diplomaten, einen Waffenstillstand auszuhandeln. Am 26. April, nachmittags um drei Uhr, hatte Thieu Saigon in Richtung Taiwan verlassen. Die fünf Tage seit seinem Rücktritt hatte er benötigt, um die Koffer zu packen. Die Bevölkerung Saigons hatte eine genaue Vorstellung davon, was darin verpackt wurde.

Vizepräsident Tran Van Huongs Angebot für einen Waffenstillstand hatte der Sender der Nationalen Befreiungsfront zurückgewiesen. Huong repräsentiere das „Thieu-Regime ohne Thieu“. Eine neutralistische Regierung müßte gebildet werden, geführt von einer „Persönlichkeit, die wirklich den Frieden liebt“. Und die amerikanischen Militärs, mehr als 5000, zumeist Offiziere im Stab des DAO, Defense Attache’s Office oder „Pentagon East“ auch genannt, müßten als Vorbedingung das Land verlassen.

Am 26. April, einem Samstag, an dem Thieu das Land verlassen hatte, trat die Nationalversammlung in einem dunklen, muffigen Säulenbau im Hafenbezirk zusammen, um Vizepräsidenten Huong einstimmig zu ermächtigen, ohne Rücksicht auf die Bestimmungen der südvietnamesischen Verfassung einen Nachfolger zu bestimmen nach eigenem Gutdünken. Tran Van Lam, der Senatspräsident, wäre verfassungsmäßig an der Reihe gewesen. Als „Thieu-Mann“ hatte er keine Chance, von der kommunistischen Seite als „Persönlichkeit, die wirklich den Frieden liebt“, akzeptiert zu werden.

Duong Van Minh, „Big Minh“ seiner Leibesgröße wegen genannt, sollte neuer Präsident werden. „Big Minh“ hatte eine zentrale Rolle 1963 beim Sturz Ngo Dinh Diems gespielt und über die Jahre in Opposition zu Thieu gestanden. Niemand wußte so recht, worin diese Opposition eigentlich bestanden hatte. Aber fast alle waren überzeugt, daß „Big Minh“ in der Stunde der Not Saigon retten könnte.

Der französische und der amerikanische Botschafter glaubten die Fäden zu ziehen, um „Big Minh“ in Aktion treten zu lassen. Graham Martin redete am Sonntag abend, dem 27. April, dem designierten Präsidenten erfolgreich aus, auf den sofortigen Abzug der amerikanischen Militärpräsenz zu bestehen. Jean-Marie Merillon begab sich etwa zur gleichen Zeit in das Lager der kommunistischen Vertretung, die nach dem Waffenstillstand 1973 im Sicherheitsbereich des Saigoner Flughafens Than Son Nhut einquartiert worden war, um den Chef der Delegation, den kantigen, wie eine emotionslose Sprechmaschine wirkenden Oberst Vo Dong Giang persönlich über die Chancen einer „Friedensregierung Big Minh“ auszuhorchen.

Merillon erhielt die Auskunft, Eile sei geboten; die Amerikaner müßten sofort abziehen; die „Thieu-Clique“ sei zu entmachten und durch friedensliebende Patrioten an der Spitze zu ersetzen. Die entscheidende Frage wollte der spröde Oberst allerdings nicht beantworten: ob nämlich eine von „Big Minh“ geführte Regierung als Partner zum Aushandeln einer politischen Lösung akzeptabel sei.

Auch ohne diese letzte Gewißheit machten sich Martin, Merillon und die Gefolgschaft „Big Minhs“ ans Werk, um Saigon den Krieg und dem Westen die letzte Schmach einer bedingungslosen Kapitulation zu ersparen. Ihr Optimismus wurde von vielen geteilt, gerade von jenen politischen Beobachtern, die sich direkt dem Einfluß der Hauptakteure aussetzten, sich zu Mitwissern machen ließen und den eigenen Wahrnehmungen weniger vertrauten als den Analysen der Drahtzieher.

Für Montag nachmittag, 28. April, war die Machtübergabe von Huong zu „Big Minh“ angesetztworden. Tag für Tag kamen „Airlifter“, Cargo-Jets der amerikanischen Luftwaffe nach Saigon, um besonders „gefährdete Personen“ auszufliegen. Etwa 5000 Vietnamesen verließen täglich das Land. Das Gedränge und Geschiebe der Asylsuchenden vor der amerikanischen Botschaft war kaum mehr regulierbar. Jene, die fliehen wollten, spürten eine Dringlichkeit, die Verzweiflung erzeugte. Die kommunistischen Panzer standen vor den Toren Saigons, und noch immer beharrten die amerikanischen Konsularbehörden auf die Einhaltung der komplizierten Einreiseprozedur. Zwar hatten die meisten westlichen Nationen inzwischen ihre Botschaften evakuiert und ihre Alkoholreserven zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen, die Amerikaner, geführt von Graham Martin und Thomas Polgar, glaubten, mit der geplanten Großaktion zur Luftevakuierung noch warten zu können, weil eine politische Lösung sich abzeichnete, die Saigon die Panik und Not einer Flucht ersparen würde.

Am Sonntag morgen, zwei Stunden vor Sonnenaufgang, schossen die kommunistischen Truppen ein paar Raketen in die Innenstadt, die unweit der deutschen Botschaft im Grenzbereich von Saigon nach Cholon, der Chinesenstadt, niedergingen und einen schrecklichen Flächenbrand verursachten. Seit mehr als drei Jahren hatte Saigon keinen direkten Beschuß mehr erlebt. Die von einer gewaltigen Detonation begleiteten Raketeneinschläge machten der Bevölkerung bewußt, daß der letzte Akt der Belagerung, die Eroberung der Hauptstadt begonnen hatte.

Nur die macht- und einflußreichen Diplomaten in der amerikanischen und französischen Botschaft mochten die Zeichen an der Wand nicht lesen. Die Signale von der anderen Seite könnten auch so verstanden werden, daß Hanoi nur auf eine Beschleunigung des politischen Prozesses drängte. Die Kommunisten, so versicherten Graham und Merillon sich gegenseitig, würden „Gesicht verlieren“, wenn sie die Drei-Millionen-Stadt Saigon vor den Augen der Welt zu erstürmen versuchten. Durch politische Konzessionen, so meinten beide, könnte den Kommunisten ein vernünftiger Kompromiß abgerungen werden.

Ähnliche Argumente sind in den langen Jahren des Krieges von liberalen Politikern vielerorts vorgetragen worden. Einen Beweis dafür hatte Hanoi bis zur Stunde verweigert. Die doktrinäre Verhandlungsstrategie der Nordvietnamesen, die nichts anbot und alles verlangte, die von einem „fast morbiden Mißtrauen“ gegen den Rest der Welt und zugleich von einer „leidenschaftlichen wilden Selbstgerechtigkeit“ gekennzeichnet war (wie Henry Kissinger später in seinen Memoiren notierte), hatte bislang keinen Beleg dafür erbracht, daß Kompromisse und Konzessionen Hanoi davon abhalten könnten, den Süden zu „befreien“ und das Land zu einem sozialistischen Vietnam zu vereinigen. Das Pariser Abkommen vom Januar 1973 war dennoch auf diese Prämisse gegründet worden, auf der Annahme, daß Hanoi den Fortbestand eines separaten Südstaates hinnehmen werde. Der Verzicht auf die Eroberung des Südens sollte Hanoi mit der Aussicht auf zwei Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe abgekauft werden. Bis zur Stunde, in den letzten Apriltagen 1975, hatte Hanoi nur bewiesen, daß die Prämisse des politischen Vertrages eine pure Illusion gewesen war. Kein Versprechen und keine Drohung hatte das Politbüro im Norden davon abgehalten, den Auftrag Ho Chi Minhs zu erfüllen und den Süden zu „befreien“.

Jetzt standen die Panzer der Revolution am Stadtrand von Saigon. Die Trockenzeit war abgelaufen, der Monsunregen konnte jeden Tag beginnen und die militärischen Operationen erheblich erschweren. Es lag in der Linie der bisherigen Strategie Hanois, den Reststaat Saigon mit einem gezielten Schlag zu liquidieren, den militärischen Triumph zu genießen, statt in letzter Stunde „laotische Verhältnisse“ zu gestatten und damit auch noch Franzosen und Russen als Friedensmacher auf die Bühne zu bringen.

Es zeugt von der Kraft der Illusion, daß auch im belagerten, vom Rest des Landes inzwischen abgeschlossenen Saigon, in Sichtweite der gegnerischen Panzer, noch ein politischer Friedensplan entstehen konnte, der dem Regime im Süden freilich das schwerste Opfer zumutete, nämlich die Selbstzerstörung der bisherigen Ordnung. Die „Thieu-Clique“, das „Marionettenregime“, mußte zerstört werden. Graham Martin, der amerikanische Botschafter, gab seine Zustimmung. Am Montag nachmittag, 27. April, sollte Vizepräsident Huong zurücktreten und die Macht an „Big Minh“ übergeben.

Die Politiker gingen das Tempo der Schnecke, während die Generale Nordvietnams, für jeden in Saigon erkennbar, endeutig auf eine Entscheidung drängten. Tag und Nacht war das „Womp-Womp-Womp“ der Artillerie zu hören. Besonders starke Schußgeräusche kamen nun aus der Richtung des Flughafens, auf dem die Evakuierungsmaschinen der kleinen Luftbrücke aber noch ungestört landeten. Die Menschen in Saigon schwankten zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Würden die Amerikaner am Ende nicht doch alle Vietnamesen ausfliegen, die darum ersuchten? Vielleicht würde der Krieg doch noch mit einem politischen Kompromiß beendet werden.

Als ein prominenter Reporter sich abends von seinen Freunden verabschiedete, weil die „Laos-Lösung“ ihm gestattete, nach Hause zu fliegen, um eine Dokumentation fertigzustellen, um danach nach Vietnam zurückzukehren, rief ihm ein Freund zu, derweil den Namen Saigon zu vergessen, weil die Kommunisten die Stadt bis dahin erobert und in Ho-Chi-Minh-Stadt umgetauft hätten. Dies sei „CIA-Propaganda“, fauchte der Angesprochene zurück. Das Geschichtsbewußtsein der Vietnamesen lasse eine solche Namensänderung absurd erscheinen. Die scheinbar beiläufige Diskussion war so heftig geraten, daß die Abschiedsparty ein vorzeitiges Ende fand.

Wer den Kommunisten die Entschlossenheit unterstellte, den blutigen, mit mehr als einer Million Opfer bezahlten Krieg mit einem militärischen Triumph zu beenden und danach im Süden Verhältnisse zu schaffen, die denen Nordvietnams glichen, die Restriktionen für die Auslandspresse eingeschlossen, mußte sich in den letzten Tagen Saigons noch dem Verdacht aussetzen, ein Opfer der amerikanischen Propaganda geworden zu sein. Der Streit der Meinungen wurde indes rasch entschieden.

Montag, 28. April, nachmittags 17 Uhr, fand im Präsidentenpalast, in einem Dreieck mit der amerikanischen Botschaft und der katholischen Kathedrale gelegen, die Amtsübergabe statt. Schwere Regenwolken zogen über die Stadt. Es war schon dunkel geworden. Die Lampen im Palast wurden eingeschaltet, als die Anhänger der „Dritten Kraft“, die kleine Gruppe der Neutralisten, Nationalisten und militanten Buddhisten, die bislang den 1964 bezogenen neuen Präsidentenpalast nicht hatten betreten dürfen, durch die weit offene Tür in den großen Empfangssaal schritten und zunächst in der zweiten Reihe Platz nahmen.

Die erste Reihe war für Vizepräsident Huong und die bisherigen Minister reserviert. Es mögen 100 Personen gewesen sein, die bis 17 Uhr den Saal kaum zur Hälfte füllten. Weiter hinten hatte die internationale Presse Platz genommen. In den Gängen, nicht weit vom Rednerpult entfernt, waren die Kameras der Fernsehstationen aufgebaut.

Humpelnd, auf einen Stock gestützt, betrat Vizepräsident Huong den Saal, begleitet von „Big Minh“, dem ein gewisser Stolz über die neue Hauptrolle anzumerken war. Minh sah in der zweiten Stuhlreihe seine Freunde und Anhänger sitzen, die jahrelang unter Thieu geschmäht und von den Behörden schikaniert worden waren, jetzt endlich sich an der Schwelle zur öffentlichen Anerkennung und Einfluß wähnten: Nguyen Van Huyen, ein Rechtsanwalt, dessen Sachkompetenz „Big Minhs“ Charisma ergänzen sollte; der quirlige, sanfte, höflich-lächelnde Senator Vu Van Mau, ein frommer Buddhist und Bannerträger für die nationalistischen Mönche der An-Quang-Pagode; und neben vielen anderen auch Nguyen Van Tuyen, ein ehrlicher Patriot, der durch seine fingerdicken Brillengläser im Staatsbudget der abgetretenen Regierung mehr Unterschlagungen, Schlamperei und Korruption aufgedeckt hatte als die übrigen Mitglieder des Parlaments zusammen.

Als Tran Van Huong endlich ans Rednerpult trat, das an der Frontseite mit der Präsidentenplakette bestückt war, ging draußen ein Gewitter nieder, das auch im tropischen Saigon als ungewöhnlich heftig empfunden wurde. Der erste Regen nach der monatelangen Trockenzeit fiel wie eine Sturzflut vom Himmel. Schwarze Wolken hatten den Himmel verdunkelt; es schien, als hätte sich die Nacht über Saigon gesenkt. Huongs Rede wurde von Blitzen begleitet, denen Donnergrollen folgte. Richard Wagner hätte diesen Höhepunkt nicht effektvoller in Szene setzen können.

Ganze Sätze der kurzen Rede Tran Van Huongs wurden vom Gewitter überdeckt. Sturmwinde wehten die Gardinen an den offenen Fenstern hoch, das Interesse der Zuhörer ablenkend vom ohnehin glanzlosen Redner. Huong langweilte sein Publikum mit der Sturheit eines Mannes, der eine Form wahren will, die längst ihren Sinn verloren hat. Der einmal populäre, frühere Bürgermeister von Saigon hatte in der Partnerschaft mit Thieu, der seinen guten Namen ausgebeutet hatte, ohne dem Vize wirkliche Macht einzuräumen, den Rest an Vertrauen verloren. Geblieben war eine Halsstarrigkeit, die sich als Prinzipienstärke ausgab. Der Kränkelnde Greis, der zum Gehen eine Krücke benötigte, war in Wahrheit die Symbolfigur der einstürzenden Ordnung.

Zehn Minuten lang mochte er wohl geredet haben. Die Journalisten waren so desinteressiert und so abgelenkt vom Gewitter, daß kaum jemand sich die Rede übersetzen ließ. Alle warteten auf „Big Minh“, auf ein neues Kabinett, auf einen Friedensplan, den die Kommunisten akzeptieren möchten.

Huong humpelte zu seinem Platz zurück. Schweigen füllte den Raum. „Big Minh“ zog die Blicke auf sich, weil von ihm der nächste Schritt erwartet wurde. Aber er blieb auf seinem Sitz. Die kurze Pause im Protokoll, für die noch kein Sinn zu erkennen war, steigerte die Spannung.

Dann endlich sah man eine der Militärwachen, mit weißen Gürteln und Kordeln geschmückt und bislang an der linken Stirnseite, an der Flügeltür postiert, in die Mitte zum Rednerpult gehen. Mit beiden Händen faßte er das Siegel des Präsidenten, riß es aus der Halterung, drehte den Körper mit zackigen, ruckartigen Bewegungen, die Paradesoldaten einem Flair von Lächerlichkeit aussetzen, in Richtung der Tür und trug das Symbol des Präsidenten der Republik Südvietnam gemessenen Schrittes aus dem Raum.

Die Politiker und Journalisten bewahrten eine Stille, die man als Gedenkminute für eine Ordnung betrachten konnte, die hier symbolisch von der politischen Bühne auf den Müllhaufen der Geschichte getragen wurde. Angespannt verfolgte das Publikum die abgezirkelten Bewegungen des in den Raum zurückkehrenden Gardesoldaten, der sich nun der an der Stirnwand stehenden Fahne Südvietnams näherte, sie aus dem Ständer hob und umständlich, immer geradeaus gehend, aus dem Raum trug.

Die safrangelbe Fahne mit den drei roten Streifen hatte 1945 ein junger Pater Tran Huu Thanh entworfen, der später dem katholischen Präsidenten Diem nahestand und dessen „Philosophie des Personalismus“ verbreitete. Jetzt, im April 1975, hatte Pater Thanh sich längst der Opposition gegen Thieu angeschlossen. Er hatte sich von einem System distanziert, das mit dem Heraustragen der Fahne förmlich beseitigt wurde.

Mir hatte diese Fahne wenig bedeutet. Aber ich hatte sie seit meiner ersten Reporterreise in diesen Krieg als Symbol eines Staates erlebt, für den mehrere Hundertausend Vietnamesen gefallen waren. Für die Konsolidierung der Republik Südvietnam waren mehr als 500 000 amerikanische Soldaten hierher geschickt worden, von denen 50 000 den Tod gefunden hatten. Die gelbrote Fahne hatte die Särge geschmückt, wenn auf dem großen Militärfriedhof außerhalb von Saigon, auf dem Wege nach Bien Hoa gelegen, einmal im Jahr in einer feierlichen Staatszeremonie der Opfer gedacht wurde.

Millionen waren einen sinnlosen Tod gestorben. Es schien mir ein zynischer Akt zu sein, die Fahne verschwinden zu lassen und sich damit einer historischen Verantwortung zu entziehen.

Der Gardesoldat kehrte, ein neues Siegel in den Händen haltend, in den Saal zurück. Mit einem kräftigen Schlag befestigte er das Symbol der Präsidentschaft „Big Minhs“ an das Rednerpult. Grüner Lotus prangte auf weißem Untergrund. Ein Amateur mußte in der Eile die Ausführung besorgt haben. Eine bessere Ausfertigung war in Saigon wohl nicht mehr zu beschaffen. Denn mit den Resten dieser Gesellschaft war kein Staat mehr zu machen. Nur Träumer konnten aus dem Symbolwechsel in letzter Stunde noch Hoffnung schöpfen.

Erst nachdem der Soldat auf seinen ursprünglichen Platz zurückgekehrt war, so als sei dadurch die Vergangenheit gelöscht und der Weg frei in eine bessere Zukunft, erhob „Big Minh sich von seinem Sitz, ging gemessenen Schrittes zum Rednerpult und begann, eine Regierungserklärung zu verlesen, in der ein sofortiger Waffenstillstand angeboten wurde. Wie mit dem amerikanischen Botschafter Graham Martin vereinbart, erwähnte Minh nicht die Forderung der sofortigen Evakuierung aller amerikanischen Militärs. Er sprach allerdings auch nicht mehr von den „Kommunisten“, sondern von „unseren Freunden auf der anderen Seite ... Wir wünschen ernsthaft die Versöhnung. Ihr wißt das gewiß. Versöhnung verlangt, daß jedes Element der Nation das Recht der anderen zu leben respektiert. Das ist der Geist des Pariser Abkommens ... Die kommenden Tag werden sehr schwierig sein ... Ich verspreche nicht viel.“ Den Anwalt.Nguyen Van Huyen ernannte „Big Minh“ zum Vizepräsidenten. Den Senator Vu Van Mau zum Premierminister. Ein Kabinett wurde noch nicht präsentiert.

Ich habe „Big Minhs“ Rede damals nicht mehr zu Ende gehört. Der Inhalt seiner Proklamation schien mir ganz unbedeutend zu sein im Vergleich zu den Symbolszenen einer staatlichen Selbstdemontage, die wir gerade gefilmt hatten. Der Staat von Saigon hatte das wirklich größte Opfer gebracht, um Nordvietnam in letzter Minute zum politischen Kompromiß zu bewegen: Er hatte sich selbst aufgelöst, die Symbole seiner Existenz aufgegeben, Selbstmord verübt aus Angst vor dem Tode.

Um den Film so rasch wie möglich auf die Abendmaschine nach Bangkok zu schaffen, verließ ich mit dem Kamerateam vorzeitig den Saal. Vor der Tür formulierte ich für die Redaktion einen „Textentwurf“. Minuten später fuhren Kameramann und unser langjähriger vietnamesischer Mitarbeiter zum Flughafen. Es war gegen 18 Uhr, der Regen hatte schön deutlich nachgelassen.

Bis zum Hotel „Continental“, in dem viele Journalisten wohnten, waren es etwa zehn Minuten zu Fuß. Die Terrasse, die am späten Nachmittag Treffpunkt für Presse, amerikanische Militärs, Diplomaten und Geschäftemacher aller Art war, wirkte jetzt wie ausgestorben. Die Journalisten beobachteten noch den Machtwechsel im Präsidentenpalast. Der Rest der Kundschaft hatte die Zeichen des Krieges verstanden und traf Vorsorge für den Ernstfall. Nicht wenige mögen auch die Live-Übertragung vom Amtsantritt „Big Minhs“ vor dem Fernsehschirm beobachtet haben. Blaubeige Renault CV-Taxen standen wie üblich vor dem „Continental“. Um die Zeit zu vertreiben, mietete ich einen Wagen für eine Fahrt in Richtung Cholon.

Nach zwei Kilometern hatten wir den Bahnhof erreicht. Über uns flogen plötzlich A-37-Maschinen, die im Sturzflug angriffen. Man hörte den Einschlag der Bomben in Richtung Flughafen. Sekunden danach brach in der Stadt die Hölle los. Jeder, der eine Waffe besaß, begann damit in die Luft zu schießen. Menschen rannten, warfen sich zu Boden, flüchteten weiter. Der Lärm der Waffen steigerte sich zu einer akustischen Kulisse, die um so mehr erschreckte, als kaum jemand den Grund der Schießerei erkennen konnte. Saigon schoß vor Angst in den Himmel. Vier leichte Kampfmaschinen vom Typ A-37, die die nordvietnamesische Luftwaffe erbeutet hatte, waren in Phan Rang Air Base, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Saigon, startklar gemacht worden und unter Führung eines übergelaufenen südvietnamesischen Piloten zum Angriff gegen den Flughafen Than Son Nhut geschickt worden.

Der psychologische Effekt der Bombardierung der südvietnamesischen Hauptstadt hat Dungs Erwartungen weit übertroffen. Nachdem die Bomben gefallen waren und Saigon einen Zustand von Panik erreicht hatte, der an Sergej Eisensteins Massenszenen auf den Stufen Odessas erinnerte, war jedermann klar, daß die Stunde der Schlacht begonnen hatte.

Bis in die Dunkelheit hinein, länger als eine Stunde, dauerte das sinnlose Feuerwerk, mit der die bewaffnete Bevölkerung Saigons die Selbstzerstörung der bisherigen Ordnung abschloß. Danach begann die totale Ausgangssperre. Die Republik Südvietnam hatte aufgehört zu existieren, bevor sie erobert wurde.

Die Demontage der staatlichen Symbole und die – nachgerade hysterische Reaktion der Bewohner Saigons auf die Bombardierung des Flughafens sind in den Augenzeugenberichten und in historischen Darstellungen bislang mit Schweigen übergangen oder nur am Rande erwähnt worden.

Psychologische Abwehrmechanismen haben die dramatische Hubschrauberevakuierung, die am nächsten Mittag, 29. April, begann, in den Mittelpunkt gerückt. Ganz ähnliche Akzentverschiebungen sind auch bei anderen historischen Niederlagen der „Weißen“ in Asien zu beobachten. Die Kapitulation der amerikanischen Truppen in Corregidor, in der Bucht von Manila, im April 1942, ist in der Literatur und im Film überlagert worden von den japanischen Grausamkeiten während des „Todesmarsches von Bataan“ in die Gefangenenlager; und die „Brücke am River Kwai“ hat die Phantasie des Westens nachhaltiger beschäftigt als das Ende der britischen Garnison in Malaya und in Singapur.

Tatsächlich hat die letzte politisch-diplomatische Aktion, in deren Mittelpunkt „Big Minh“ stand, – ermutigt und beraten von Graham Martin und Jean-Marie Merillon –, die Evakuierung Saigons verzögert und dadurch schweren psychologischen und politischen Schaden verursacht.

Der Rundfunk Hanois sendete gleich nach der Rede „Big Minhs“ eine Erklärung, deren Schärfe ungewöhnlich war und deren fordernde Entschiedenheit alle Verlautbarungen der letzten Tage übertraf. Der Rundfunksender rief die Bevölkerung Saigons auf, „sich zu erheben“.

Bald darauf meldete sich die kommunistische Vertretung, die ihr Quartier im Flughafengelände zu einem unterirdischen Gefechtsstand ausgebaut hatte, ohne die Beobachter draußen davon etwas ahnen zu lassen, bei den amerikanischen Agenturen und bei der New York Times mit einem Telephonanruf. Ein Sprecher verlas eine Erklärung, in der die Vereinigten Staaten der fortgesetzten Einmischung in die Verhältnisse bezichtigt wurden. Amerika wurde aufgefordert, „die Saigoner Administration des Krieges und der Unterdrückung zu beseitigen“. Die Erklärung von Mr. Minh werde diesem Verlangen nicht gerecht..

Nordvietnam hatte damit die letzte Illusion zerstört. Die „Laos-Lösung“ war wie ein Vabanquespiel. Amerika und die Vertreter Saigons hatten ihren letzten Zug gemacht. Sie waren am Ende. Die Hektik und Panik, die die Evakuierung am nächsten Tage kennzeichneten, raubte ihnen in den Augen Asiens auch noch das „Gesicht“.

Die Bombardierung des Flughafens gegen 18 Uhr am Montag abend war in der Tat das Signal zum Angriff. Die ganze Nacht hindurch wurde Saigon mit Artillerie und Raketen beschossen. Am Dienstag nachmittag begann die Hubschrauberevakuierung: zunächst von einem Sammelplatz im Flughafengelände aus, später vom Dach der amerikanischen Botschaft. Vier Uhr morgens am Mittwoch, dem 30. April, verließ der amerikanische Botschafter Graham Martin das Land. Die letzten amerikanischen Soldaten, elf Marines, flogen um 7.53 Uhr aus Saigon zurück auf die Flotte vor der Küste Südvietnams. Um elf Uhr morgens, 30. April, erreichten die nordvietnamesischen Panzer den Regierungspalast in der Innenstadt. Ein Soldat stürmte mit der Flagge der „provisorischen revolutionären Regierung die Treppe hoch, um sie als Zeichen des Sieges am Balkon zu befestigen.

Die alte Flagge war längst eingeholt worden.

Redaktionelle Verantwortung für das Extra:

Rainer Frenkel