Die Krankheit zählt zu den ältesten und am schwierigsten zu behandelnden Leiden der Menschheit. Die Technik ist das jüngste Kind einer vorwärtsstürmenden Wissenschaft: Gentechnik contra Lepra.

Das größte Hindernis für Lepraforscher war lange, daß sie den Erreger Mycobacterium leprae nicht im Labor züchten konnten. Erst vor etwa einem Jahrzehnt hatte eine amerikanische Forschergruppe herausgefunden, daß M. leprae am besten bei Temperaturen unterhalb der normalen menschlichen Körperwärme gedeiht (dies erklärt auch, warum der biblische Aussatz zunächst die äußeren Gliedmaßen befällt) und daß der Erreger außer Menchen auch noch das relativ kaltblütige Neunbinden-Gürteltier – in Amerika Armadillo genannt – infiziert.

Seitdem kam die Lepraforschung in Bewegung. Bisheriger Höhepunkt: Den Wissenschaftlern gelang die Herstellung eines potentiellen Impfstoffs, der zur Zeit klinisch getestet wird.

Doch die Labor-Armadillos können schwerlich den Weltbedarf an M. leprae decken – vor allem, wenn der Bedarf scharf anziehen sollte, falls die Impftests erfolgreich sind. Deshalb begannen sich Genforscher für das Problem zu interessieren. Und nun haben sie eine Alternative zu den Armadillos gefunden.

Anfang August meldete eine amerikanische Forschergruppe um Richard Young vom Whitehead-Institut in Cambridge, Massachusetts, den Erfolg im britischen Fachblatt Nature: Den Wissenschaftlern ist es gelungen, eine Fülle von Eiweißstoffen (Proteine) des Bakteriums M. leprae gentechnisch dank der laborüblichen E. coli-Mikroben zu erzeugen. Und aus diesen Eiweißstoffen fischten die Forscher dann mit Hilfe wohlbekannter Markierungssubstanzen – nämlich Antikörper gegen den Lepraerreger – jene Proteine heraus, die das körpereigene Immunsystem als „fremd“ erkennt (solche körperfremden Stoffe heißen im Fachjargon „Antigene“; gegen sie richtet das Immunsystem spezifische Antikörper).

Bislang gewann das Young-Team Antigene, auf die nur das Immunsystem von Mäusen reagiert. Sind die Lepraantigene erst einmal für Menschen verfügbar, könnten sie dazu eingesetzt werden, Antikörper gegen Aussatzerreger in Blutproben zu entdecken. Dadurch könnte vielleicht eine Antwort auf die Frage gefunden werden, warum die meisten infizierten Menschen nicht an Lepra erkranken.

Die Antigene könnten auch die Impfstofferprobung beschleunigen. Die erste Phase, die Sicherheitsprüfung, ist abgeschlossen. Die zweite Phase (die Wirkungsprüfung) läuft derzeit in Venezuela. Dabei soll unter anderem herausgefunden werden, ob der Impfstoff die Bildung von Antikörpern anregt – eine Aufgabe, die durch gentechnisch erzeugte Antigene wesentlich erleichtert würde.