Nordrhein-Westfalens Kultusminister weist von Zeit zu Zeit Wege aus der drängenden Lehrerarbeitslosigkeit, doch die Pädagogen ohne Job vergelten es Hans Schwier schlecht: Sein Angebot, Lehrer befristet in Teilzeitstellen zu beschäftigen, traf auf wenig Gegenliebe, denn die wenigen heute Angestellten müssen in drei Jahren wieder vor dem Arbeitsamt Schlange stehen. Nun droht die „Initiative arbeitsloser Lehrer“ gar mit Schulbesetzungen, weil die Arbeitslosen hinter Schwiers neuestem Coup ein Bewerbungsverbot für die beschäftigungslosen Pädagogen vermuten. Anlaß für die Verärgerung: Die Regierungspräsidenten im bevölkerungsreichsten Bundesland teilten den „sehr geehrten“ Lehramtsbewerbern mit, daß die Behörden in Zukunft keine Auskünfte über Einstellungstermine geben mögen.

„Von 102 Bewerbern mit Ihrem Lehramt und Ihrer Fächerkombination E/GE können voraussichtlich insgesamt 1 eingestellt werden“, erfuhr Jutta Harke, einst als Lehrerin ausgebildet und künftig als Sprechstundenhilfe tätig, per hektographiertem Schreiben. Der weitere Inhalt der Post brachte die Pädagogenschwemme in Wallung. „Hans Schwier löst die Lehrerarbeitslosigkeit in ‚Vogel-Strauß-Manier‘“, wettert Jutta Harke. Denn während in Berlin und Hamburg eine Postkarte genügt, um immer wieder in die Bewerberkartei zu gelangen, während in Hessen mit dem Ablehnungsbescneid automatisch auch die Anforderung für die Wiederbewerbungsunterlagen ins Haus flattert, lehnten die kultusministeriellen Behörden in Nordrhein-Westfalen es ab, den Bewerbern Termine rechtzeitig mitzuteilen, schließlich würden sich „nach dem jetzigen Erkenntnisstand“ die Beschäftigungschancen weiter verschlechtern. „Ich habe daher nicht vorgemerkt, Ihnen ... die Bewerbungsunterlagen für etwaige spätere Einstellungsverfahren zu übersenden schrieben die Regierungspräsidenten mit freundlichem Gruß.

„Wenn man die Termine nicht erfährt, nehmen natürlich weniger am Bewerbungsverfahren teil“, mutmaßt der Englischlehrer Michael Steinhoft aus Dortmund, darauf spekuliere der Minister wohl. Tatsächlich verschwindet das Arbeitslosenproblem zwar so nicht aus der Welt, aber doch immerhin aus der Statistik.

Die arbeitslosen Lehrer dürften sich „keinen falschen Erwartungen hingeben“, warnt Hans Schwier. Daher habe man ihnen die ungeschminkte Wahrheit sagen müssen, allerdings wohl mit „etwas unglücklich gewählten Formulierungen“. Nach wie vor genüge ein Anruf, um die Termine zu erfahren. Bewerben dürfen sich alle 17 692 Lehrer, die zum Schuljahresbeginn 1985/86 nicht zum Zuge gekommen sind. Dörte Schubert