Die Beweisaufnahme im Prozeß gegen die neun Mitglieder der Militärjunta, die zwischen 1976 und 1982 Argentinien regierten, warde nach fast vier Monaten vorzeitig abgeschlossen.

Das zivile Bundesgericht in Buenos Aires verzichtete nach der Anhörung von nahezu der Hälfte der 2200 geladenen Zeugen auf weitere Aussagen. Bis jetzt war es der Anklage schwergefallen, den obersten Militärs einen direkten Befehl zum Mord oder zur Folter nachzuweisen. Staatsanwalt Julio Cesar Strassen glaubt nun, den Angeklagten – unter ihnen die drei Präsidenten-Generale Videla, Viola und Galtieri – die Schuld an den Menschenrechtsverletzungen während ihrer Herrschaft nachweisen zu können. Der Ankläger will am 5. September mit seinem Plädoyer beginnen; das Urteil wird im November erwartet.

Der spektakuläre Prozeß beleuchtet das düsterste Kapitel der argentinischen Geschichte. In der Zeit der Militärherrschaft sollen rund 9000 Menschen bei der Bekämpfung des linken Terrorismus entführt, gefoltert und ermordet worden sein. Veranlaßt wurde der Prozeß vom jetzigen Präsidenten Raul Alfonsín kurz nach seiner Amtsübernahme im Dezember 1983. Damit geriet er zwischen die Fronten: Den Menschenrechtsorganisationen, vor allem den berühmten „Müttern der Plaza de Mayo“, reichte es nicht, daß nur Juntamitglieder angeklagt sind; sie fordern die Bestrafung aller Schuldigen. Konservative Politiker und Militärs sehen in dem Verfahren einen Schauprozeß zur Demontage der Streitkräfte.

Die drei Mitglieder der Junta, die den Falklandkrieg vom Zaun brachen, haben sich gleichzeitig noch vor einem Kriegsgericht zu verantworten. Dem Ex-Präsidenten Leopoldo Galtieri, dem Marinechef Jorge Anaya und dem Luftwaffenlommandanten Basilio Lami Dozo wird schlechte Organisation und Ausrüstung der Truppe sowie falsche Strategie im Krieg gegen England vorgeworfen. Der Militärankläger forderte hohe Gefängnisstrafen: für Galtieri und Anaya je zwölf und für Lami Dozo acht Jahre. Jörn Arfs